Das die ”Weiße Stadt” von Tel Aviv die weltgrößte Ansammlung von Gebäuden im Bauhaus-Stil hat, errichtet von jungen europäischen Architekten, ist weithin bekannt. Wobei der Stil korrekt als Internationaler Stil bezeichnet werden muss.

Die Architekten kamen vor allem im Zuge der fünften Aliya, nach der Machtergreifung der Nazis in Deutschland 1933 .
Tel Aviv wuchs in den Jahren 1934 bis 1947 von ca. 75.000 auf 230.000 Einwohner. Der ”Internationaler Stil” trug den damit verbundenen Bedürfnissen nach Wohnraum Rechnung. Gebaut wurde in Anlehnung an die Prinzipien der Bauhauschule. Nicht nur, weil die Funktionalität des Bauhaus der Erfordernis entsprach, viele bezahlbare Wohnungen für die zuströmenden Flüchtlinge zu bauen, sondern auch, weil der neue Architekturstil den Idealen der jüdischen Bevölkerung in “Eretz Israel” entsprach. Besser konnte die Sehnsucht nach einem Neuanfang architektonisch nicht ausgedrückt werden.
Das Ideal eines urbanen hebräischen Zentrums nach Gsichtspunkten moderner Hygiene und Ästhetik herrschte indes schon seit den 1880ern in den ersten jüdischen Ansiedlungen außerhalb Yafos, aus denen Tel Aviv 1909 hervorgegangen ist.
Tel Aviv sollte in Anlehnung an die Gartenstadtbewegung als moderne Stadt mit Boulevards, großen und klenen Plätzen geplant werden, die den Menschen als Treffpunke dienen.

In der Stadtplanung, soweit sie umgesetzt wurde und den Gebäuden des Inernationalen Stils spiegelt sich die zionistische und sozialistische Stimmung der Gründerzeit. Man spürt in der weißen Stadt die Idee einer neuen, egalitären Gesellschaft auf. Funktionaler Wohnraum für Jeden statt Repräsentation. Nirgends wurde modernes Wohnens so radikal umgesetzt wie in Tel Aviv. Die klare und regelmäßige Formensprach hat genau in den Geist der Zeit gepasst.

Kennzeichnend für den internationalen Stil sind insgesamt die Archtiektur als Volumen, Regelmäßigkeit statt Symmetrie, Vermeidung von schmückender Dekoration, Eleganz der Materialien, technische Perfektion und feine Proportionen. Letztere Prinzipien wurden in Tel Aviv nur ansatzweise erreicht.







Die “Bauhausschule”, die architektonisch den sozialen und zionistischen Idealen entsprach, wurde entsprechend der spezifischen Wetterverhältnisse mehrfach modifiziert und an die Hitze und Feuchtigkeit angepasst. Viel Aufmerksamkeit wurde auf Licht und Schatten verwendet.


Die Prinzipien unterlagen vielfachen Einflüssen und Modifikationen. Le Corbusier hat die Erscheinung des “Internationalen Stils” stark geprägt. Auf ihn geht das Aufstelzen der Gebäude, die Nutzung der Dächer und der weiße Stuck zurück.
Von Mendelsohn kamen unverwechselbare Modifikationen. Er hat sich mit dem kalten Eindruck des industrialisierte und normierte Bauens nicht abgefunden. Man erkennt in Tel Aviv deutlich, wie den Gebäuden Charakter gegeben wurde, um den menschlichen Aspekt gegnüber dem Eindruck rein industrieller Abfertigung zu betonen.
Stiltypisch für den Internationalen Stil in Tel Aviv sind die vielen eleganten Rundungen, die den Beitrag des Menschen in der Planung und Errichtung der Gebäude betonen.

