An einem unschuldigen Sommermorgen wurde ich nichts Boeses denkend zum Ausloeser einer anachronistischen Auseinandersetzung. Fuenf Minuten Pause unter der Laube im Garten meines Elternheimes haben ausgereicht, um einen verstaubten Widerstreit anzuzetteln. Ich habe meine Bewunderung fuer die Aufbauleistung der deutschen und kulturdeutschen Einwanderer geaeussert. Galia P., eine private Betreuerin, deren Familie aus Russland eingewandert ist, als sie ein halbes Jahr alt war, meinte, dass Israel nicht von den Jekkes sondern mit deutschen Geldern aus den Wiedergutmachungsabkommen aufgebaut worden waere und die deutschsprachigen Einwanderer bis zum Eintreffen der Gelder in armseligen Verhaeltnissen gelebt haetten. Ruth A. widerspricht heftig und fuehrt die harte Arbeit ihrer Eltern in Kfar Yeddith als Beispiel an. Natuerlich haetten die Gelder ihnen letztlich geholfen, sagt sie, aber es sei doch eine grobe Verfaelschung der Geschichte, die Leistung der Jekkes auf die Gelder aus dem Wiedergutmachungsabkommen zu reduzieren. Der ueberproportionale Beitrag der Jekkes beim Aufbau des Landes zeige sich zum Beispiel in der Wirtschaft und den vielen Unternehmen, die von deutschsprachigen Einwanderern gegruendet worden seien. Die Auseinandersetzung eskalierte dann als Hanna G., die als Freiwillige der israelischen Polizei eine Handarbeitsgruppe im Heim leitet, etwas provokant anmerkt, dass die russischen und polnischen Pioniere das Land aufgebaut haben und der Beitrag der Jekkes ueberhoeht wuerde. Dies entsetzte den Schwiegersohn von Dov D., dessen Vater Arzt in Deutschland war und mit der Familie im Zuge der fuenften Aliya nach Palaestina kam. Er selbst hat am Technion Medizin studiert und verweist auf die deutsche Gruendungsgeschichte des Instituts. Auf seinen Zeugnissen habe noch in altdeutscher Schrift “Technikum” gestanden, erzaehlt er. Auch Ahron G., der am Technion zum Ingenieur ausgebildet wurde, erinnert sich an das “Technikum” in Suetterlinsschrift.
Ich moechte dieses Kapitel dem deutschen Beitrag zum russischen Werk der Staatsgruendung widmen. Den Publizisten, Visionaeren, Funktionaeren, Architekten, Initiatoren, u.v.m., die den Staat auf den Weg gebracht und ihn gepraegt haben.
09 gab der Berliner Hilfsverein fuer deutsche Juden “Ezra” das Technikum in Haifa in Auftrag. Als Architekt wurde Alex Baerwald engagiert. Das Technikum ist von Baerwald im orientalischen Stil gehalten mit Verweisen auf den zweiten Tempel. Mit seinem Baustil suchte der Architekt eine eretz-israelische Identitaet. Das Schaffen von Alex Baerwald ist durch die Fusion morgenlaendischer Stilelemente mit deutscher Baukunst charakterisiert. Der Verdienst des Architekturpioniers lag in der Uebertragung technischer Errungenschaften, um den klimatischen und landschaftlichen Herausforderungen zu begegnen. Baerwald hatte sich intensiv mit den speziellen Bedingungen in Palaestina auseinandergesetzt. Er hat das Siedlungsgenossenschaft Merchavia entworfen (und dabei u. a. auf Satteldaecher gesetzt), die Anglo-Palestine Bank in Haifa, ein Wohnhaus fuer H. Struck in Haifa, …
“Die Anstalt fuer technische Erziehung in Palaestina”, die als eines seiner Hauptwerke gilt, war das Erste seiner Art in Eretz Israel. Unter tuerkischer Herrschaft gab es keine technische Hochschule in Palaestina.
Die Fertigstellung zog sich bis 25 hin. In der Zeit biss der Hilfsverein mit seiner Forderung Deutsch als Unterrichtssprache zu verwenden auf Granit. Die Pioniere bestanden auf Hebraeisch und setzten sich damit letztlich durch und aus dem Technikum wurde das Technion. Alex Baerwald wurde nach seiner Einreise 25 Leiter der Architekturfakultaet am Technion. Eine Ausstellung im Stadtmuseum von Haifa hat die Errichtung des Technions als Meilenstein der Stadtgeschichte beschrieben und die Auswirkungen auf die Entwicklung der juedischen Bevoelkerung der Stadt aufgezeigt. Dem Sprachenkrieg kommt eine zentrale Bedeutung in der Herausbildung der kulturellen Identitaet des Yishuv zu.
Die Durchsetzung der hebraeischen Sprache war untrennbar mit der Ideologie der Pioniere und ihrer Vision einer Wiederauferstehung des juedischen Volkes in seiner Heimat verbunden. Die Kolonialisten der zweiten Aliya kamen ab 04 ins Land. Ihr zionistisch-sozialistisches Engagement faengt in zionistischen Debattierclubs in Russland, der Ukraine, Litauen und Weissrussland an und laesst sie im Laufe ihres eigenen Lebens ihre Utopien leben und jenseits ihrer kuehnsten Traeume verwirklichen. Es ist eine in der Siedlungs- und Voelkerwanderungsgeschichte der Menschheit einmalige
Leistung der Kolonialisten im Verlauf einer Generation aus der oeden osmanischen Provinz, die sie vorfanden, einen Wohlfahrtsstaat zu gruenden. Die Pioniere kolonialisierten ausgedoerrte und allem Anschein nach unmoegliche Wuesten- und Bergregionen. Sie organisierten ihre Verteidigung, unterstuetzten die Einwanderung und bemuehten sich bei ihren Glaubensbruedern in aller Welt unermuedlich um Gelder fuer den Ankauf neuer Boeden. Die Einwanderer der zweiten Aliya kamen als junge Idealisten um die Erloesung der Juden und die Befreiung des Proletariats zu verwirklichen.
Einer ihrer wichtigsten Vordenker war Moses Hess, einer der ersten deutschen Sozialisten und zeitweiliger Mitstreiter von Karl Marx. Hess war auch Zionist und forderte 1862 in seiner Schrift „Rom und Jerusalem“ die Besinnung auf die juedische Nationalitaet und die Errichtung eines juedisch sozialistischen Gemeinwesens in Palaestina . Bei Hess fusionieren erstmals die Ideen des moralischen Sozialismus und des aufgeklaerten Nationalismus.
Leo Pinsker, Arzt aus Odessa, hat in den fruehen 1880er Jahren die Pogrome im Zarenreich erlebt und als Reaktion darauf das Buch Auto-Emanzipation verfasst. Das Buch erschien auf Deutsch in Berlin, da Pinsker vielleicht irrtuemlich angenommen hatte, dass die leidenden Juden im Zarenreich nicht bereit fuer seine Sichtweisen waeren. Tatsaechlich entstand aber 1882 in Charkov die erste zionistischen Gruppe, die Keimzelle der ersten zionistischen Organisation Chibat Zion sein sollte, die Kolonien in Palaestina erichtete. Waehrend die fruehen zionistischen Organisationen, wie Chibat Zion, von Pinsker beeinflusst waren, blieb er im deutschsprachigen Raum mehr oder minder unbemerkt.
Die meisten Einwanderer der ersten Aliya, die von den ersten zionistischen Organisationen fuer die Kolonisation gewonnen
werden konnten, waren Fluechtlinge, die in Familienverbaenden kamen. Sie hatten ihre liebe Mueh mit den unwirtlichen Bedingungen und das Kolonisationsprojekt der ersten zionistischen Organisationen konnte letztlich nur durch den philanthropischen Einsatz von Edmond de Rothschild aufrecht erhalten werden. Die sozialistische Indoktrination reifte derweil im revolutionaeren Russland, um dann ab 04 mit der zweiten Einwanderungswelle den Charakter des Siedlungswerkes zu bestimmen.
Zur politischen Kraft wurde der Zionismus mit dem ersten zionistischen Weltkongress 1897 in Basel unter dem Vorsitz von Theodor Herzl. Die zionistische Weltorganisation, die aus dem Kongress hervorging machte sich die Gruendung einer “oeffentlich-rechtlich gesicherten Heimstaette” zum Ziel. Herzl brachte die Judenfrage auf die internationale Agenda. Er sucht eine politische statt einer philanthropischen Loesung. Mit den Mitteln der Diplomatie und der oeffentlichen Propaganda sollte das nationale Projekt auf den Weg gebracht werden.
Nach dem ersten zionistischen Weltkongress in Basel schrieb Herzl in sein Tagebuch, dass er den Judenstaat gegruendet hat.
Herzl wurde 1860 in Budapest geboren und zog mit seiner Familie 18 Jahre spaeter nach Wien, wo er Schriftsteller, Journalist und Lebemann wurde. Schockiert vom europaeischen Antisemitismus veroeffentlichte er 1896 seine Schrift Der Judenstaat, in der er darlegt, dass die Judenfrage mit einem souveraenen juedischen Staat geloest werden muesse. Der Judenstaat, den der Visionaer vor Augen hatte, war ein aufgeklaerter Sozialstaat.
Als Sprache uebrigens favorisierte Herzl Deutsch oder Englisch. Vielleicht auch Franzoesisch, nicht aber Hebraeisch. Es sollte nicht die einzige Differenz zwischen ihm und dem Lager der russischen Zionisten bleiben.
Eine der herausragenden Persoenlichkeiten der russischen Zionisten war Menachem Ussishkin, der ueberzeugt war, einen juedischen Staat durch praktische Siedlungstaetigkeit zu erreichen. Fuer Ussishkin gehoerte die Wiederbelebung der hebraeischen Sprache zum Kern des Zionismus.
Waehrend er die Kolonisation des Landes inspirierte, verfolgte Herzl selbst einen streng diplomatischen Zionismus. Er bemuehte sich bei der Hohen Pforte um eine “Charter” zur Ansiedlung von Juden in Palaestina und wandte sich auch vertrauensvoll an den deutschen Kaiser als wichtigsten Verbuendeten der Osmanen. Herzl hoffte den Antisemitismus in Deutschland fuer die Anerkennung einer Heimstaette fuer die Juden fruchtbar machen zu koennen. Allerdings scheiterte sein diplomatisches Bemuehen. Als sich Herzl mit seinem Anliegen dann an die Briten wandte, machten diese ihm den Vorschlag, die Heimstaette in Uganda zu errichten. Als er beim Kongress 03 eine Pruefung dieser Option verlangte, brachte er die russischen Delegierten endgueltig gegen sich auf. Ohne auf politischem Weg irgendetwas erreicht zu haben starb Herzl 04.
Er hinterlies der zionistischen Bewegung das Motto “Wenn ihr wollt, ist es kein Maerchen”.
Die legendaere zweite Aliya war massgeblich von Herzl inspiriert. Die jungen osteuropaeischen Einwanderer, die ohne abgeschlossene Bildung und ohne Kapital nach Palaestina uebersetzten waren aber nicht bereit, die Zusage der Tuerken oder sonst einer Grossmacht abzuwarten. Sie verstanden sich als Avantgarde, die auf dem Boden des ersehnten Landes die Befreiung der Juden einleiten wuerde. Die Differenzen zwischen der praktischen Ansiedlung und dem diplomatischen Ansatz fuehrten zu grossen Spannungen.
Die Zionistische Weltorganisation wurde unter dem Vorsitz von Herzl in Palaestina nicht aktiv. Die Pioniere hatten indes im Sinn, durch konstruktive Arbeit Tatsachen von Bestand zu schaffen.
Die Spannungen zwischen dem praktischen Hinwirken und den politischen Bemuehungen um die Gruendung eines juedischen Staates waren Spannungen zwischen den osteuropaeischen Kolonialisten und den Anhaengern Herzls, die hauptsaechlich aus dem deutschsprachigen Raum kamen. Sie wurden 1907 aufgehoben, als Chaim Weizmann die beiden Ansaetze in einer historischen Rede zum synthetischen Zionismus verschmolz. Weizmann befuerwortete das Gebot der Siedlungsarbeit schon zu Zeiten als Herzl noch eine Charter mit den Tuerken aushandeln wollte. Er unterstrich die Bedeutung der Pionierarbeit in der Landwirtschaft und erkannte aber auch, dass die politischen Bemuehungen unerlaesslich sind. Mit der Zeit wurden aber die Weggefaehrten Herzls verdraengt. Einer von ihnen war der in Stuttgart geborene Max Bodenheimer, der Herzl zu Verhandlungen mit dem tuerkischen Sultan in Konstantinopel und zu Verhandlungen mit dem deutschen Kaiser waehrend eines Besuches in Jerusalem begleitet hat. Bodenheimer war einer der Mit-Iniatoren und ab 07 Vorsitzender des juedischen Nationalfonds JNF-KKL. Wobei die Idee zu diesem Fonds wiederum auf Moshe Leib Lilienblum, einen fruehen Zionisten aus Litauen zurueckgeht. Hermann Zvi Shapira, ein Gruendungsmitglied der Chibat Zion in Odessa, unterbreitete dem ersten Zionistischen Weltkongress den Vorschlag, einen juedischen Fonds fuer den Landankauf in Palaestina einzurichten.
Nach Annahme der synthetischen Zionismus eroeffnete die Zionistische Weltorganisation noch 07 eine Vertretung in Palaestina , mit deren Leitung der deutsche Sozialwissenschaftler Arthur Ruppin beauftragt wurde.
Als Leiter des Palaestina-Bueros koordinierte Arthur Ruppin die Verwendung der Gelder des Juedischen Nationalfonds JNF-KKL.
Die Gruendung des ersten Kibbuz Degania Alef 09 wurde von Arthur Ruppin initiiert. Der Sozialwissenschaftler Ruppin engagierte sich in der Entwicklung neuer Formen des Zusammenlebens und unterstuetzte die ersten Farmen, auf denen diese neuen Formen eingeuebt wurden. Er unterstuetzte als Leiter des Palaestina-Bueros 21 die Gruendung des ersten Arbeitermoshavs Nahalal. Ruppin wirkte er massgeblich an der Umwandlung der Siedlungspraemissen hin zu Kollektiv- und Genossenschaftssiedlungen mit.
Als Vertreter eines demokratischen Zionismus setzte er sich ferner auch fuer die Gewaehrung von Krediten aus den Mitteln des JNF-KKL fuer die Gruendung der Stadt Tel Aviv ein und ist so einer der Gruendungsvaeter der ersten hebraeischen Stadt, die 09 entstand.
Mit dem ersten Weltkrieg fand die zweite Aliya ein ploetzliches Ende. Nach dem Krieg setzte die dritte Aliya ein, die in vielfacher Hinsicht an die zweite Aliya anknuepfte und erneut viele junge Zionisten aus Osteuropa ins Land brachte.
Unter dem Vorsitz von Chaim Weizmann setzte die zionistsiche Weltorganisation ab 21 ihre Prioritaeten auf die Erweiterung der Landwirtschaft im Yishuv und dem Aufbau der Kollektivsiedlungen. In den 20er und 30er Jahren fuellten sich die blauen Sammelbuechsen des JNF-KKL, und der Fonds errichtete viele Kibbuze, besiedelte die Wueste und erschloss das obere Galilaea. Ehemalige Vertraute Herzls, wie Max Bodenheimer verlassen ihre Posten. Nach der Uebersiedlung nach Jerusalem wird Ussishkin ab 22 Vorsitzender des JNF-KKL.
Unter dem Eindruck der bolschewistischen Revolution gruendeten die juedischen Pioniere den Arbeiterverband Histadruth, der die Institutionen fuer die Umsetzung ihrer eigenen sozialistisch zionistischen Vision schaffen sollte. Einer der Gruendungsvaeter war der Arbeiterfuehrer Ben Gurion, der zum ersten Vorsitzenden der Histadruth wurde. Die Histadruth war Wegbereiterin eines eigenstaendigen sozialen Sektors und schuf tatsaechlich die Infrastruktur, auf der Israel schliesslich gegruendet wurde. Die Histadruth etablierte eigene Unternehmen, engagierte sich in der Kultur, dominierte die juedischen Medien und zementierte damit die Vormacht des sozialistischen Lagers, in dem Zionismus mit Klassenkampf verschmolzen.
Entsprechend der Institutionalisierung der juedischen Kolonisation in Palaestina brachten die 20er Jahre auch einen aesthetischen Wandel. Massgeblichen Anteil daran hatten Zionisten aus dem deutschsprachigen Raum, die mit den Einwanderern der dritten Aliya ins Land kamen und deren zionistisch-sozialistische Ueberzeugungen teilten. Sie hatten das Anliegen, den Utopien in Bauformen Ausdruck zu verleihen.
Eine Reihe deutsch-juedischer Architekten, die in den 20er Jahren nach Palaestina ausgewandert sind, haben massgeblichen Anteil an der Einfuehrung einer rationalen und modernen Formensprache, die den juedisch nationalen Ausdruck in der Architektur, wie er noch von Baerwald vertreten wurde, verdraengt. Hervorzuheben ist Richard Kauffmann, fuer den die Kuppeln und Boegen, die fuer Baerwald typisch waren, keine Rolle mehr spielen. Seine zionistische Ueberzeugung drueckt Kaufmann in sachlicher Gliederung und klaren Formen aus.
Die bauliche Umsetzung des ersten Arbeitermoshav Nahal 21 war das erste Projekt von Richard Kauffmann als Siedlungsplaner. Das spektakulaere Oval auf einem Huegel war der Beginn der Siedlungsplanung in Palaestina und des Weiteren der Auftakt zu einer unvergleichlichen Karriere, in der Kauffmann hunderte Architektur-, Siedlungs- und Stadtplanungprojekte realisieren sollte.
Kauffmann war oft Gast im Haus von Lillit P. und ihrem Mann. Der bedeutende Architekt, Siedlungs- und Stadtplaner kam 20 in Palaestina an und wurde Leiter der Zentralstelle fuer Zionistische Besiedlungsangelegenheiten am Palaestinaamt der zionistischen Weltorganisation, das von Arthur Ruppin geleitet wurde. Lillit P. und ihr Mann kamen 33 nach Palaestina, nachdem Hannan P. von einem Architekturbuero in Tel Aviv angefragt wurde.
Als ueberzeugte Zionisten waren Lillit P. und ihr Mann schon frueh mit jenen Baumeistern bekannt und befreundet, die schon in den 20er Jahren nach Palaestina gekommen waren, um die im Zionismus angestrebte neue und bessere Form des Zusammenlebens in einem neuen Baustil umzusetzen. Sie waren aus Deutschland, Oesterreich, Galizien und Osteuropa und haben in Deutschland und Wien studiert. Sie haben einen modernen Architekturstil nach Palaestina gebracht, der zum Ausdruck des Neubeginns taugte, den gerade die Pioniere der zweiten und dritten Aliya vor Augen hatten. Eine Reihe von Architekten hat am Bauhaus in Dessau studiert. Der legendaere Architekt Arieh Sharon erhielt das Diplom Nummer 6 der Architekturschule und war in seinem Schaffen sehr vom zweiten Direktor des Bauhaus, Hans Mayer, beeinflusst, in dessen Buero Sharon einige Zeit lang gearbeitet hat.
Lotte Cohn war ueberzeugte Zionistin, als sie 21 nach Palaestina einwanderte und Assistentin von Richard Kauffmann wurde und in seinem Buero an der Planung von Kibbuzen und Moshavs mitwirkte. Nachdem sie 31 als selbststaendige Architektin angefangen hat, kuemmerte sie sich ab dem Einsetzen der fuenften Aliya um die Anliegen der Fluechtlingen, deren Umstaende rationale Wohnloesungen forderten. Nachdem sie in den 20er Jahren noch die von Baerwald inspirierte Suche nach einem juedisch-nationalen Stil in ihren Arbeiten findet, wendet sie sich in den 30er Jahren der bedingungslosen Moderne zu. Sie wirkte massgeblich an der Schaffung von Mittelstandssiedlungen fuer die deutsch-juedischen Einwanderer, die ab 33 ins Land kamen.
Mit der fuenften Aliya kamen zu den Baumeistern der Pioniergeneration ca. weitere 100 Architekten nach Eretz Israel, die mit dem modernen internationalen Stil vertraut waren. Besonders in Tel Aviv sind viele ihrer architektonisch umgesetzten Vorstellungen des Neuanfangs noch erhalten. “Die weisse Stadt” besteht aus dem groessten Ensemble von Haeusern, die im internationalen Stil erbaut wurden.
Neben der Architektur sind die Spuren deutschsprachiger Juden auch in der Bildung und Forschung klar sichtbar. Albert Einstein engagierte sich als Fundraiser fuer die Hebraeische Universitaet in Jerusalem. Zur Einweihung 23 hielt er zur Einweihung der Lehranstalt einen wissenschaftlichen Vortrag. Der Gruendunsvater der Hebraeischen Universitaet, Chaim Weizmann, engagierte sich fuer die gefluechteten deutschen Wissenschaftler und bemuehte sich darum, sie in den Lehrbetrieb der Hebraeischen Universitaet zu integrieren. Der Vorschlag eine hebraeische Universitaet zu gruenden, wurde auf dem ersten Zionistischen Weltkongress von Hermann Zvi Shapira eingebracht. Unterstuetzt wurde der Bau der Universitaet, wie auch des Technions in Haifa, durch Landankauf durch den JNF-KKL.
Yehuda Z. hat an der Hebraeischen Universitaet Jura studiert und im Zuge seines Studiums Vortraege von Pinkhas Rosen gehoert. Pinkhas Rosen ist einer der Gruendungsvaeter des juedischen Staates. Als Gruender und Vorsitzender der Neuen Aliyah Partei war er einer der Unterzeichner der Unabhaengigkeitserklaerung 48.
Der in Berliner als Felix Rosenblueth geborene Rosen ist 26 nach Palaestina eingewandert und arbeitete dort zunaechst als Treuhaender der Baugenossenschaft Solel Boneh. Nach Staatsgruendung stand er den Progressiven vor, einem liberalen Parteienbuendnis, das nach der ersten Wahl mit Mapai koalierte. Rosen wurde erster Justizminister des juedischen Staates. Ueberproportional viele meiner Bewohnerinnen und Bewohner haben mir anvertraut, die Progressiven gewaehlt zu haben. Rosen gehoerte bis 68 ununterbrochen der Knesset an und wurde mehrere Male zum Justizminister ernannt. Rosen setzte sich waehrend seiner Amtszeiten als Minister fuer die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Bundesrepubik und fuer die Wiedergutmachungszahlungen ein.
Pinkhas Rosen gruendete 1932 die Vereinigung der Einwanderer aus Deutschland, aus der dann die Vereinigung der Auswanderer aus Mitteleuropa wurde. Die Vereinigung ist Traegerin des Elternheims, in dem ich arbeite. Das Heim ist nach Pinkhas Rosen benannt.





