Israel – pt.6(4)/24 || Von Kishiniev nach Teheran

Unabhaengigkeitstag (Ramat Gan 2011)

Unabhaengigkeitstag (Ramat Gan 2011)

 Der juedische Staat war nach dem Sechstagekrieg bereits 18 mal groesser als von der Peel-Komission 1936 vorgesehen. Deren Teilungsplan waren die Juden seiner Zeit bereit anzunehmen, die Araber aber lehnten ihn ab. Gegen den UN Teilungsplan von 47, der von den Juden akzeptiert wurde, boten die Araber seiner Zeit ihre Armeen auf. Der Krieg brachte die Waffenstillstandslinien von 49. Mit dem Krieg 67 vervierfachte Israel sein Gebiet gegenueber 49. Fuer die Araber war der Sechstagekrieg in jeder Hinsicht eine Katastrophe. Doch noch im August 67 wurden auf einer Gipfelkonferenz der arabischen Liga in Khartoum die drei Neins zu Versoehnung, Verhandlungen und Anerkennung formuliert.

Derweil ueberarbeitete die 64 gegruendete Palaestinensische Befreiungsorganisation (PLO) ihre Charta. Unter dem Eindrueck des Sechstagekrieges erfand die PLO die in Palaestina lebenden Araber als eigenstaendiges palaestinensisches Volk und verstand sich als dessen Befreiungsbewegung. Bis dato hatten sich die Araber in Palaestina nicht als eigenes Volk definiert, dass von anderen arabischen Voelkern zu unterscheiden sei und eigene nationale Ansprueche besaesse, sondern vielmehr als Teil eines arabischen Volkes. Die Konstruktion einer eigenen palästinensischen Identität kann als politische, aber auch taktische Reaktion auf den Zionismus verstanden werden. Wer sich die Muehe macht, die urspruengliche PLO Charta mit derjenigen zu vergleichen, die nach dem Sechstagekrieg verfasst wurde, erkennt anhand der vorgenommenen Veraenderungen die Ueberfuehrung der urspruenglich panarabisch angelegten Bewegung in eine Natioalistisch gesinnte. Die PLO formulierte nationale Ansprueche des palaestinensischen Volkes und verfolgte diese mit terroristischem Eifer. Jerusalem gelangte ins Zentrum dieser nationalen Ansprueche, obwohl die Stadt in langen Jahren arabischer Herrschaft niemals Haupstadt war (und auch im Koran kein einziges Mal erwaehnt wird).

Die starkste Fraktion der PLO, die Fatach Bewegung, baute unter der Fuehrung von Yassir Arafat, nach dem Sechstagekrieg ein Terrorcamp in Karame im Jordantal auf. Von dort kam es zu mehreren blutigen Uebergriffen. Einer der terroristischen Ueberfaelle zielte auf einen Bus mit Kindern auf einem Schulausflug ans Tote Meer.
Im Maerz 68 kam es in Karame zur militaerischen Auseinandersetzung zwischen israelischen Streitkraeften und der Fatach, die Unterstuetzung von der jordanischen Armee erhielt. Fuer arabische Massstaebe war die Schlacht, die 29 israelischen Soldaten das Leben forderte, ein Erfolg. Der Fatach-Fuehrer Arafat wurde Vorsitzender der PLO. Er beerbte Yahya Hammuda, der den Vorsiz von Ahmed Shukeiri uebernommen hatte. Mohammed Amin al-Husseini, der Nazi-Verbuendete und gluehende Verfechter des Holocaust, diente Arafat als politischer Mentor.

Auf Betreiben mancher PLO-Fraktionen kam es zwischen der von Jordanien aus agierenden PLO und der jordanischen Fuehrung zu Spannungen, die sich zunehmend verschaerften. ine vierfache Flugzeugentfuehrung durch die PLO Fraktion PFLP, in deren Verlauf die Flugzeuge gesprengt wurden, brachte die offene Auseinandersetzung. Im September kam es zum Zusammenstoss zwischen der PLO und den jordanischen Streitkraeften. Die PLO flog aus Jordanien und re-formierte sich im Libanon. Israel erlebte nach der Vertreibung der PLO aus Jordanien in den Libanon den Terror im Norden. 74 starben bei einem Ueberfall auf Kiriat Shmona 18 Menschen, darunter 8 Kinder, wenig spaeter wurden bei der Besetzung einer Schule in Ma’alot 22 Schueler getoetet.

Vom Libanon aus instruierte die PLO 72 auch den Terror gegen das israelische Olympia-Team in Muenchen, das 11 israelischen Sportlern das Leben kostete. In einer Vergeltungsoperation toeteten israelische Kommandos alle Verantwortlichen fuer Muenchen.

76 haben deutsche und palaestinensische Terroristen ein Flugzeug der Air France nach Entebbe entfuehrt. Es kam zu einer Aussonderung juedischer Geiseln durch den Deutschen Wilfried Boese. In der wohl spektakulaesten Geiselbefreiung aller Zeiten holte ein israelisches Militaerkommando unter der Fuehrung von Yonathan Netanjahu (der bei der Aktion als einziger israelischer Militaer getoetet wurde) die entfuehrten Juden nach Israel. In Limosinen gepackt, die einen Konvoi des ugandischen Diktators Idi Amin vortaeuschten, gelangten die Kommandos an den Terminal des Flughafens, in dem die Geiseln gehalten wurden. Die waghalsige Kommandoaktion hat einen zentralen Platz im Selbstverstaendnis der Israelis. Meine Zeitzeugen berichten von der grossen Beklemmung, die geherrscht hat, als das Schicksal der juedischen Geiseln in den Haenden deutscher und palaestinensischer Terroristen voellig unklar war und welche Euphorie ausgebrochen ist, als die erfolgreiche Operation bekannt wurde. Wer die Bedeutung des israelischen Militaers fuer die Juden – nicht nur in Israel – begreifen moechte, dem sei der Film Entebbe empfohlen.

82 kam es dann zum ersten Libanonkrieg und der Besetzung des Suedlibanon. Im August 82 wurde die PLO gezwungen den Libanon zu verlassen und liess sich in Tunesien nieder um von dort den Terror gegen Israel fortzufuehren. 85 wurden 3 israelische Zivilisten auf Zypern von einem PLO Kommando ermordet. Im gleichen Jahr kam es zur Entfuehrung des Kreuzfahrtschiffes Archille Lauro durch Terroristen der PFLP. Diese erschossen einen teilgelaehmten juedischen Amerikaner und forderten u.a. die Freilassung des deutschen Neo-Nazi Odfried Hepp, der fuer die PFLP aktiv war.

87 begann die erste Intifada, die ohne Wissen der PLO Fuehrung in Tunesien ausgebrochen war. Verteidigungsminister Izhak Rabin wurde angewiesen , die Intifada gewaltsam, aber ohne Feuerwaffen niederzuschlagen. Rabin orderte den Einsatz von Schlagstoecken und von Seiten der Palaestinenser wurde dies propagandistisch ausgeschlachtet. Der militaerische Komandant der PLO, Abu Jihad, hatte derweil die Fuehrung ueber die Intifada erlangt und befahl einen Terrorangriff auf einen israelischen Bus, der drei Tote forderte. Israelische Kommandos griffen Abu Jihad daraufhin in seinem Haus in Tunis an und toeteten ihn.

Waehrend der zweiten Amtszeit von Yitzhak Rabin als Premierminister kam es unter der Regie seines Aussenministers Simon Peres zu ersten inoffiziellen Kontakten zwischen Israel und der PLO in Oslo, die einer offiziellen gegenseitigen Anerkennung den Boden bereiteten sollten. Peres hintertrieb mit seinen Geheimgespraechen die offizielle Politik und draengte Israel in die Anerkennung der PLO, die im beruehmten Handschlag zwischen Rabin und Arafat muendete. Es begannen ofizielle Verhandlungen und entsprechend der Oslo Abkommen wurden Teile der besetzten Gebiete in die palaestinensische Autonomie ueberfuehrt. Als Verwaltungsapparat fungiert die dafuer geschaffene Autonomiebehoerde unter dem Vorsitz von Arafat.

Oslo brachte den Israels die Hoffnung auf Frieden. Israelis sind zum Einkaufen in palaestinensische Staedte gefahren und Palaestinenser haben in Israel gearbeitet. Doch Arafat sollte schon bald sein doppeltes Spiel aufziehen. In Israel kam es 95 zur Tragoedie, als Rabin von einem juedischen Extremisten ermordet wurde. Bei den darauf folgenden Wahlen gewann der Oslo-Kritiker Netanyahu vom Likud. Vorausgegangen war im Fruehjahr 96 eine moerderische Welle von Terroranschlaegen queer durch Israel. 99 kam die Arbeiterpartei unter Ehud Barak zurueck an die Macht und Arafat bekam 2000 in Camp David von Barak einen eigenen Staat mit sehr weit reichenden israelischen Zugestaendnissen angeboten. Der in Oslo begonnene Weg zur palaestinensischen Staatlichkeit schien trotz der Eruptionen Mitte der 90er abgeschlossen.

Tatsaechlich erwies sich Camp David als Anfang vom Ende.

2008 - vor meinem Fenster - Bombenalarm

2008 - vor meinem Fenster - Bombenalarm

 

 

 

 

 

 

 

Die Palaestinenser unter Arafat, dem Vorsitzenden von Fatach, PLO und Autonomiebehoerde, entschieden sich gegen die Etablierung eines eigenen Staates und fuer die zweite Intifada. Statt Frieden haben die Israelis fuer ihr Entgegenkommen blutige Selbstmordanschlaege und ein nachwirkendes Trauma geerntet. Die zweite Intifada, in die sich eine Vielzahl von Organisationen eingerastet haben, sah beispiellose Gewaltexesse. Unter den verschiedenen Terrororganisationen, die eine Allianz gegen die israelische Bevoelkerung eingegangen sind, war auch die waehrend der ersten Intifada geborene Hamas. Ueber ihren Hass auf Israel hinaus finden sich bei den verschiedenen Akteuren der zweiten Intifada keine verbindenden Elemente. Wie der Versuch die Juden ins Meer zu treiben die Terroristischen verschiedener Lager zusammenbrachte, verfestigte sich der “Widerstand” zur Essenz der palaestinensischen Identitaet.

Arafat propagierte die moerderischen Anschlaege auf israelische Zivilisten als legitimen Befreiungskampf. Tatsaechlich erreichte er trotz perpetuierten Terror die Palaestinenser als brutal unterdruecktes Volk zu vermarkten.

Die zweite Intifada hat den Israelis die Palaestinenser verleidet. Meine ehemalige Freundin sah einen Bus an der Kreuzung Yagur in die Luft fliegen. Das Blutbad traumatisierte sie fuer lange Zeit.
Am 1. Juni 2001 forderte ein Selbstmordattentaeter der Hamas das Leben von 21 Menschen in der Warteschlange vor der Diskothek Dolphinarium, wo eine Feier fuer Neueinwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion steigen sollte. Unter seinen Opfern waren 13 Minderjaehrige. Im August 2001 starben 15 Israelis bei einem Selbstmordanschlag in einer Pizzeria in Jerusalem. Als im Dezember weitere zwei Dutzend Israelis bei Selbstmordanschlaegen in Haifa und Jerusalem getoetet wurden, erklaerte Israel die PA schliesslich zu einer Terrororganisation und begann mit der Abriegelung der palaestinensischen Gebiete. Im Januar 2002 konnte die israelische Marine eine 50 Tonnen schwere Waffenlieferung, die fuer die PA bestimmt war, abfangen. Zu Pessach 2002 toetete ein Selbstmordattentaeter der Hamas 30 Israelis im Park Hotel in Netanya. Zwei Tage spaeter begann Israel eine Militaeroperation gegen den palaestinensischen Terrorismus.

Sperranlage bei Bethlehem

Sperranlage bei Bethlehem

Aufgrund der Erfahrungen mit den gescheiterten Friedensbemuehungen und der Brutalitaet des Terrors, der entfacht wude, waren die Israelis daran interessiert, sich praktisch vor den Palaestinensern zu schuetzen. Als Reaktion auf die Anschlaege hat Israel im Sommer 2002 mit dem Bau des Sperrwalls begonnen.

Im Oktober 2003 brachte eine palaestinensische Selbstmordattentaeterin vom Islamischen Dschihad 19 Israelis im Familienrestaurant Maxim in Haifa um. Im Maerz 2004 entging Israel nur knapp einer kapitalen Katastrophe, als im Hafen von Ashdod Bomben gezuendet wurden, die Ammoniaktanks in die Luft jagen sollten. Israel reagierte mit der gezielten Toetung des Hamas Fuehrers Yassin.

Der palaestinensische Terror der zweiten Intifada hat mehr als 1000 Israelis das Leben gefordert. Der “Friedensprozess” brachte den Israelis bis heute keinen Frieden. Die Hoffnung auf ein friedliches Nebeneinander hat sich gruendlich zersetzt.

Kassam

Kassam

Schliesslich wurde auch die Hoffnung Land fuer Frieden tauschen zu koennen begraben. Ariel Sharon, der Barak als Premier folgte, hat 2004 sein ganzes politisches Gewicht in die Waagschalen geworfen, um den Gaza Streifen zu raeumen. Fuer den Rueckzug hat der Siedlervater sogar den Likud, seine politische Heimat, verlassen.
Die von der Mehrheit getragene Unterstuetzung fuer die schmerzhafte Raeumung stand unter der klaren Bedingung Land fuer Frieden zu tauschen. Doch bekam Israel statt Frieden Hamastan in Gaza und Raketenhagel auf den Sueden.
Im Norden folgte auf die Raeumung des Suedlibanon 2001 der Raketenterror der Hisbollah, einer islamistischen Terrororganisation, die sich waehrend der israelischen Besetzung formiert hatte.

Aus den Raeumungen des Libanon und des Gaza Streifens resultierten schliesslich die Militaeroperationen im Libanon und im Gaza. Und dort haben bereits Freunde und Bekannte von mir in meinem Alter gekaempft.
Als ich noch im Krankenhaus gearbeitet habe, hatte ich einen Kollegen, Gil, der als Reservist 2000 bei der Al-Aksa Intifada im Gaza eingesetzt wurde. Er erinnert sich, wie drei Soldaten aus seiner Kompanie bei den Kaempfen gefallen sind.

Gil wurde 2006 als Reservist fuer den zweiten Libanonkrieg eingezogen. Nach einer Woche intensiver Vorbereitung, stand seine Einheit kurz vor dem Einmarsch in den Libanon. Die Anspannung war enorm. Die israelischen Streitkraefte zeigten sich bei der militaerischen Auseinandersetzung mit der Hizbollah in schlechter Verfassung. Freunde aus dem Moshav Alone Aba haben im Libanon gekaempft. Freunde, mit denen ich im Sommer noch WM geschaut habe, als ich fuer drei Wochen im Moshav war und die bei unserem naechsten Widersehen zwei Monate spaeter Eindruecke vom Schlachtfeld zu verarbeiten hatten.

Bunker in Sderot

Bunker in Sderot

Mit seiner Frau und vier Kindern wohnt Gil in einem Haus in Ashdod. Waehrend 2008 der Raketenterror im Sueden eskalierte, war seine Familie staendig in die Bunker gezwungen. Mit ihm waren viele meiner ehemaligen Kolleginnen und kollegen im Krankenhaus aus Ashdod, Ashkelon oder einer anderen Stadt,die Ende 2008 unter Dauerfeuer kamen. Waehrend der Arbeit mit einem Auge staendig am Fernseher und bei jedem roten Alarm in Sorge um die Kinder. Im Gegensatz zu anderen Berufstaetigen, koennen Angestellte im Krankenhaus waehrend eines Krieges nicht zu Hause bleiben. Ich bekam die unertraegliche Anspannung der Bewohner der Staedte im Raketenhagel also aus naechster Naehe mit.

So weit ich das verfolge, sind die Israelis zunehmend frustriert darueber, wie die unverstaendlich sich die Weltgemeinschaft gegenueber der Bedrohung des juedischen Staates zeigt. Dem schlechten Ansehen Israels in der Welt liegt, nach Meinung der Israelis, die palaestinensische Propaganda zu Grunde. Die Israelis koennten sich nicht erklaeren meinten meine Bewohnerinnen und Bewohner, sowie deren Angehoerige an einem Nachmittag, als ich im Rahmen der Beschaeftigungstherapie im grossen Kreis die Frage aufgeworfen habe, warum das Ansehen Israels in der Welt so gering sei.

Eine der dubiosen Organisationen, die der palaestinaensischen Propaganda in die Haende spielt ist die UNRWA. Das UN Fluechtlingshilfswerk fuer Palaestina UNRWA betreibt die stetige Vermehrung palaestinensischer Fluechtlinge. 2004 lernte ich einen Amerikaner kennen, der in einem UNRWA Fluechtlingslager in Jenin arbeitete. Er verbrachte seine Urlaubstage im Tobasco Hostel im arabischen Teil der Altstadt. Das Hostel wurde seiner Zeit von einem Palaestinenser gepachtet, der aus seinem Antizionismus keinen Hehl machte. Mehrere Male hatte er Gruppen auslaendischer BesucherInnen in und durch Fluechtlingslager gefuehrt. Lang und breit konnte er darlegen, warum der Zionismus am Leid der Araber und der Welt schuld sei. Ausserdem wusste der zweifache Ehemann auch einiges ueber den heiligen Koran zu sagen. Uebermuetig habe ich mich gegenueber dem antizionistischen Religionsgelehrten zu der Frage hinreisen lassen, ob es denn keine Entehrung des Koran bedeutete, wenn er sich in der Hand von Selbstmordattentaetern befaende, wie das so oft in den Bekennervideos zu sehen sei. Nein, erklaerte er mir, da die Selbstmordattentate von hoechster Stelle gerechtfertigt seien. Bei einem weiteren Besuch im Tabasco Hostel wurde von einem Freund des Hausherrn bei einer Tasse Tee erlaeutert, dass Gott durch Hitler gehandelt habe.

Nicht weniger schlimm ist es in den palaestinensischen Gebieten. Wenn Deutsche, die in den Gebieten waren, berichten, dass sie auf gebrochenem English gefragt wurden “why did you not finish your job”, dann darf man dies getrost glauben. Auf dem Markt von Hebron wurde mir von Palaestinensern erklaert, dass Hitler mit der Judenvernichtung ein grosses Werk geleistet habe.

Die Weisen von Zion und Mein Kampf sind Bestseller in der arabischen Welt. In palaestinensischen Schulbuechern, von der UNSCO gedruckt, wird antisemitisches Gedankengut verbreitet.

Unabhaengigkeitstag - Yafo 2009

Unabhaengigkeitstag - Yafo 2009

Jedes Jahr feiert Israel seine Unabhaengigkeit als nationalen Feiertag nach dem Datum der Staatsgruendung im juedischen Kalender. Der Feiertag wird sehr ausgelassen begangen. Die Israelis belagern die Parks und Gehwege mit Barbeques. Noch in den unmoeglichsten Ecken wird gegrillt. Die landesweite Massenveranstaltung ist ueberall zu riechen. Zudem sorgt die Armee mit Paraden der Luftwaffe und Marine fuer Stimmung. Im Fernsehen flimmert der Film Entebbe. Am Abend vor dem kollektiven Freiluft Zermenonielll wird der Unabhaengigkeitstag stuermisch begruesst. Juedische Feiertage beginnen mit dem Sonnenuntergang und dauern bis zum Sonnenuntergang. Am Unabhaegigkeitsabend stroemen die Israelis auf Partys, grosse und kleine Strassenfeste. Es sind die stimmungsvollsten Feiern des Jahres. Dabei schliesst der Feiertag direkt an einen Gedenktag an. Der Gedenktag fuer die gefallenen Soldaten und die Opfer des Terror beginnt am Abend zuvor, dessen Ende den Anfang der Feiern zum Unabhaengigkeitstag bedeutet. Am Gedenktag fuer die toten israelischen Soldaten und die Terroropfer ruht der Vergnuegungsbetrieb. Mit Eintritt des Gedenkens schliessen ausnahmslos alle Kneipen, Bars, Kioske, Supermaerkte usw. Am Morgen ertoenen zwei Mal fuer je eine Minute die Sirenen und bringen das ganze Land zum Stillstand.

Aus dem krassen Uebergang zwischen dem Gedenktag und den Feiern zur Unabhaengigkeit laesst sich lernen, dass die Befreiung Opfer gefordert hat und immer noch fordert.

Israel – pt.6(3)/24 || Von Kishiniev nach Teheran

Hinsichtlich des Existenzrechtes Israels wird oft kolportiert, dass der Staat als Folge des Holocaust gegruendet worden sei. Doch Israel existiert nicht wegen des Holocaust. Israel wurde trotz des Holocaust gegruendet.

Der Holocaust begruendet nicht die Existenz des Staates Israel. Er unterstreicht aber die Notwendigkeit seiner militaerischen Ueberlegenheit.

Die militaerische Staerke Israels wurzelt in den Anfaengen der juedischen Selbstverteidigung, die bis weit vor die Staatsgruendung zurueckreichen.
Veteranen der juedischen Legion der britischen Armee im ersten Weltkrieg beteiligten sich 20 bei der Verteidigung juedischer Siedlungen im oberen Galilaea gegen marodierende Araber, die aus dem Libanon eingefallen waren. Joseph Trumpeldor fiel mit sieben Mitstreitern in einer legendaeren Schlacht bei Tel Hai und wurde zum Symbol der juedischen Selbstverteidigung.

20 und 21 kam es auch zu den ersten arabischen Aufstaenden. In Reaktion auf die Aufstaende 20 wurde die paramilitaerische Haganah gegruendet, eine Untergrundarmee des Yishuv. 29 kam es zu Massakern in Hebron und Zefat. Als Reaktion auf die Massaker, wurde die Hagana 30 ausgebaut.

36-39 kam es zu den arabischen Aufstaenden. Sie wurden vom Grossmufti von Jerusalem, Amin al-Husseini angefuehrt, einem Verbuendeten der Nationalsozialisten. Die britische Mandatsmacht begann sich im Appeasement der pro-faschistischen Araber im Mandatsgebiet westlich des Jordans indem sie ab 36 die Einreiserestriktionen verschaerfte. Der Vorschlag einer Teilung des verbliebenen Palaestina in einen juedischen und einen arabischen Staat durch die Peel Komission wurde von den Vertretern des Yishuv schweren Herzens aufgrund der Notlage der europaeischen Juden angenommen, von den Arabern aber abgelehnt. Die Vorschlaege der Peel Komission wurden kassiert und die Undurchfuehbarkeit der Teilung beschlossen. Schliesslich implementierte die Mandatsmacht die Weissbuchpolitik und riegelte den europaeischen Juden den rettenden Hafen ab.

Einer meiner Bewohner, Israel D., war auf dem Schiff Struma, das 41 vollgepackt mit Fluechtlingen von Constanza nach Palaestina aufbrach. Das Schiff ging in Istanbul vor Anker. Nur eine Familie war im Besitz legaler Einreisepapiere fuer das britische Mandatsgebiet. Israel D. war bei einer Oelgesellschaft angestellt, die fuer ihn und seine Familie die Visa besorgt hatte. Allen anderen wurde von den Briten die Einreise verweigert. Nach Rumaenien durften sie nicht zurueck und die Tuerken haben die Fluechtlinge ebenfalls nicht an Land gelassen. Nur Israel D. und seiner Familie wurde erlaubt, von Bord zu gehen um ueber den Landweg ueber Syrien nach Palaestina zu gelangen. Die Struma wurde ins schwarze Meer gezogen und dort von einem sowjetischen U-Boot versenkt. Mehr als 700 Fluechtlinge kamen ums Leben.

Ben Gurion legte nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges die Linie des Yishuv fest, die besagte, man muesse das Weissbuch bekaempfen als gebe es keinen Krieg und die Briten im Krieg unterstetzen, als gaebe es kein Weissbuch.
Und nach Ende des zweiten Weltkrieges war es noch ein schwieriger Weg bis zum juedischen Staat, da die Briten weiter gegen die Einwanderung der Juden vorgingen.
Die Weissbuchpolitik wurde nicht aufgehoben und die Briten widersetzten sich der Schaffung eines juedischen Staates und favorisierten die Ueberfuehrung des Mandats in eine internationale Treuhaenderschaft. Das Problem ging an die UN.

Enscheidend fuer die diplomatischen Bemuehungen um eine juedische Heimstaette wurde schliesslich das Schicksal der Exodus. 1947 fuhr ein Fluechtlingsschiff, vollgepackt mit Holocaustueberlebenden, unter dem Namen Hagana Schiff Exodus von der franzoesichen Kueste nach Haifa und wurde wie so viele andere Fluechtlingsschiffe von der britischen Marine aufgebracht. Um ein Exempel zu statuieren, haben Gefangenenschiffe die Fluechtlinge zurueck nach Frankreich gebracht. Als sie sich dort geweigert haben an Land zu gehen, wurden sie nach Deutschland(!) deportiert und dort in Internierungslager gesteckt. Der Umgang mit den Holocaustopfern trug schliesslich dazu bei, die Weltoeffentlichkeit fuer einen juedischen Staat zu gewinnen.

Und wie die Teilung Palaestinas in einen juedischen und einen arabischen Staat beschlossen wurde, begann der Unabhaengigkeitskrieg. Arabische Milizen ueberfielen juedische Siedlungen und schnitten die juedischen Einwohner von Jerusalem von der Versorgung ab. Als Israel 48 ein unabhaengiger Staat wurde, griffen die Armeen fuenf arabischer Laender an, um den jungen juedischen Staat zu vernichten.

Als die aegyptische Armee 48 in Israel einfiel, zielte sie auf die schnelle Einnahme von Tel Aviv. Als regulaere Streitkraft war sie den juedischen Kaempfern in allen Belangen ueberlegen. Die Aegypter boten Panzer, schwere Artellerie und Jagdbomber auf, waehrend es auf juedischer Seite zu Kriegsbeginn trotz numerischer Unterlegenheit weniger Gewehre als Verteidiger gab und kein schweres Kriegsgeraet. Um Tel Aviv zu erobern musste die aegyptische Armee die Kueste hinauf und damit zunaechst ueber den Kibbuz Yad Modechai. Die Kollektivsiedlung wurde 43 von einer Gruppe des HaShomer HaTzair gegruendet, der es als einer der Letzten noch gelungen ist, Polen zu verlassen. Nach Ende des zweiten Weltkrieges nahm der Kibbuz eine Reihe von Holocaustueberlebenden auf. Als die vorrueckende aegyptische Armee auf Yad Mordechai traf, befanden sich dort keine Hundert wehrfaehigen Maenner und Jungen, deren Bewaffnung sich in zwei Maschinengewehren und zwei Moersern, einer Reihe Gewehre unterschiedlichsten Alters und Molotowcocktails erschoepfte. Trotz Unterstuetzung durch die Luftwaffe brauchten die Aegypter fuenf Tage, um den Kibbutz einzunehmen. Die Maschinengewehre der juedischen Kaempfer waren schon unbrauchbar, die Munition fuer die Gewehre zu Ende und ein Drittel der Verteidiger gefallen. Im Museum des Kibbuz wird die Verbindung zwischen Holocaust, dem Widerstand gegen die Nazis, der Errichtung des Kibbutz und seiner erbittert gefuehrten Verteidigung herausgestrichen.
Der Kibbutz Negba wurde zum naechsten Schauplatz des Widerstandes und tatsaechlich gelang es den Aegyptern nicht Tel Aviv zu erreichen.

Im Unabhaengigkeitskrieg kaempften viele Holocaustueberlebende. So wie Ephraim P., der das Warschauer Ghetto und das Konzentrationslager Majdanek ueberlebt hat. Waehrend des Befreiungskrieges kaempfte er im Palmach. Moshe G. ist Ueberlebender des Konzentratonslagers Auschwitz. Beim Eichmann Prozess war er einer der Zeugen. Waehrend des Unabhaengigkeitskrieges kaempfte er im Palmach.   

Das Ende des Befreiungskrieges bedeutete bei Weitem kein Ende der Feindseeligkeiten. 67 schienen fuer die Araber einmal mehr die Stunde gekommen, den juedischen Staat zu vernichten. Aegypten, Jordanien, Syrien und der Irak zogen gewaltige Truppenkontingente an den Waffenstillstandslinien von 49 zusammen. Die „Grenze von 67“ sah ohnehin schon die Artellerie der arabischen Legion an die Aussenbezirke des Ballungsgebietes um Tel Aviv und den juedischen Teil von Jerusalem im Visier von Scharfschuetzen.
Ahmed Shukeiri, der erste Vorsitzende der PLO erklaerte, dass alle Israelis, die den Krieg ueberleben wuerden, bleiben duerften und fuegte aber hinzu, dass er nicht davon ausgehe, dass es viele Ueberlebende geben wuerde. Unter den Israelis herrschte Sorge und Angst. Ruth Z. und Tova G. erinnern sich an die Anspannung jener Tage. Durch Aegypten wuetete der Mob und die Israelis konnten sich auf vielfachen Wegen vom Judenhass auf den Strassen des grossen Nachbarlandes ueberzeugen. Yehuda Z. und Ruth Z. sind oefters auf den aegyptischen Sender gesprungen, der in Israel zu empfangen war und der einen klaren Eindruck von der Stimmung dort vermittelte. Tova G. verfolgte auf Radio BBC die Geschehnisse in Aegypten und in der arabischen Welt, um sich ein Bild vom Ausmass des sich zusammenbrauenden Unheils zu machen. Den Israelis war klar, dass die Araber einen erneuten Versuch unternehmen wuerden, den juedischen Staat zu vernichten. Das sei alles andere als angenehm gewesen, erinnert sich Yehuda Z. Man waere sich klar darueber gewesen, dass es um alles ginge, erzaehlt Tova G. Und nicht nur auf den aegyptischen Strassen wuetete der Judenhass. Die Syrer terrorisierten zu der Zeit von ihren Stellungen auf den Golanhoehen den Norden Israels. Die syrischen Truppen zusammen mit der maechtigen aegyptischen Armee mussten ein Alptraum gewesen sein. Irakische Truppen gingen auf jordanischem Gebiet in Stellung. Die Araber boten doppelt so viele Truppe wie die Israelis auf, dreimal so viele Panzer und mehr als dreimal so viele Kampfflugzeuge. Die israelischen Generaele haetten nichts gesagt, erzaehlt Arie K. und erinnert sich ebenfalls, dass BBC Radio und aegyptisches Fersehen aber keinen Zweifel an der dramatischen Situation gelassen haetten. Ausserden sagt Arie K., seien ueberall Lazarette eingerichtet worden und gibt zu, dass viele damals das Schlimmste befuerchtet haetten. Die Israelis haetten zwar ihren Streitkraeften vertraut, erinnert sich Ruth Z und gibt aber zu, dass sie nicht voellig ueberzeugt waren. Schliesslich hatte sich Ben Gurion in die Wueste zurueckgezogen und der blasse Levi Eshkol fuehrte die Regierung. Erst als Moshe Dayan auf massiven Druck in Erwartung der militaerischen Auseinandersetzung als Verteidigungsminister vereidigt wurde, sahen die Israelis den bevorstehenden Kampf um ihe Existenz in guten Haenden. Schrecklich sei die Zeit vor dem Ausbruch des Krieges gewesen, erinnert sich Chaia S. und ich muss unweigerlich an ein Interview mit dem damaligen Kommandanten der Fallschirmjaeger Uzi Narkiss denken, der in einer Dokumentation gesagt hat, dass die Belagerung von allen Seiten das Gefuehl erzeugt haette, von aller Welt verlassen zu sein und dass es sich mit der Erfahrung des Holocaust verbunden haette. Die Folge einer Invasion waere die Vernichtung gewesen. Auch Amos Elon schreibt, dass die Israelis in den zwei oder drei Wohen vor Ausbruch des Krieges eine qualvolle Furcht gespuert haettenen, wie sie nur einer Nation von Fluechtlingen bis ins Mark hinein spuerbar werden koennte.

Die Israelis aber kamen ihrer Vernichtung zuvor und konnten nicht nur die militaerische Auseinandersetzung fuer sich entscheiden, sondern auch ihr Gebiet vervielfachen. Nach dem Krieg hielt das israelische Militaer den Sinai und den Gazastreifen besetzt. Aufgrund einer unerwarteten Entwicklung des Kriegen fielen den Israelis auch die bis 67 von Jordanien besetzten Gebiete zu. Obwohl er von den Israelis angehalten wurde, sich aus den Kaempfen herauszuhalten, entschied sich der Koenig von Jordanien dafuer an der Seite von Nasser zu kaempfen. Statt neutral zu bleiben, begannen die jordanischen Truppen am Morgen des 5. Juni den juedischen Teil von Jerusalem mit Granatbeschuss zu belegen. Kindergaerten und Schulen waren geoffnet als der Angriff erfolgte und Israel reagierte. Im Gegensatz zu 48 hielt die arabische Legion den juedischen Truppen 67 nicht stand. Nach zehn Stunden Strassenkampf war Jerusalem unter israelischer Kontrolle. Es folgte die Eroberung der Gebiete westlich des Jordans. Als Aegypten und Jordanien besiegt waren, nahmen die Israelis schliesslich noch den Golan, um den Beschuss des Nordens des Landes zu unterbinden.

Der Sechstagekrieg ist eine herausragende militaerische Leistung und ein exzellentes Beispiel fuer die Notwendigkeit einer ueberlegenen israelischen Streitkraft. Nicht zu vergessen ist darueber hinweg aber das Leid, das selbst die gewonnen Kriege mit sich bringen. Shmulik K., Sohn jemenitischer Einwanderer, stand 67 in den Bergen von Jerusalem mit einer Einheit von 31 Kaempfern Truppen der Legion gegenueber. Auf wenige Meter haetten die Soldaten beider Seiten aufeinander geschossen, erinnert er sich. Aus seiner Einheit haetten nur er und weitere fuenf das Feuergefecht unbeschadet ueberstanden. Die Anderen seien gefallen oder verwundet worden. Die sechs Tage forderten Hunderte Tote und Tausende Verletzte auf israelischer Seite.

Zur naechsten konzentrierten militaerischen Anstrengung, Israel zu vernichten kam es 73, als aegyptische Truppen israelische Stellungen auf dem Sinai ueberrannten. Der Yom-Kippur Krieg ist ein schwarzes Kapitel in der israelischen Landesverteidigung und fuerhrt vor Augen, wie real die existenzielle Bedrohung fuer den juedischen Staat tatsaechlich ist, wenn die israelische Armee die Initiative verliert.
Noch im Yom Kippur Krieg 73 war Arie K. an der Heimatfront. An dem radikal praktizierten Fastentag Yom Kippur steht das oeffentliche Leben still und Arie K. befand sich in der Synagoge, als Motorengeraeusche Hinweis auf das Unheil gaben. Auch Henni R. erinnert sich, dass sie in der Synagoge war, als es ploetzlich rumorte und alle wehrfaehigen Maenner vom Gebet in den Armeedienst gerufen wurden. Nachdem die Aegypter vorgedrungen waren und die Syrer eine zweite Front eroeffneten, hing die Existenz des juedischen Staates am seidenen Faden. Erst nach schweren Verlusten konnte die aegyptische Offensive gestoppt werden. Der Krieg forderte mehr als 2500 Tote auf israelischer Seite. Der Sohn von Regina K. ist in einem Panzer im Sinai verbrannt.

Yaakov, der private Betreuer von Epraim P. erzaehlt mir vom Einschlag einer irakischen Scud Rakete in Ramat Gan 91, die nur knapp das Gebaeude verfehlt hat, in dem er wohnt und einige Hundert Meter weiter eingeschlagen ist. Alle Scheiben haben nach der Detionation gezittert und die Familie hatte bange Minuten zu ueberstehen, bis klar war, ob die Rakete mit chemischen Sprengkopf ausgestattet war. Instruktionen gab es viele und die Wohnungen waren alle so weit wie moeglich hermetisch verriegelt. Reinigungschemikalien waren an alle Haushalte ausgeteilt. Auch nahe des Heimes ist damals eine Scud Rakete eingeschlagen. Den Instruktionen entsprechend musste sich die Belegschaft mit dem Ertoenen der Sirenen in Sicherheit bringen.
Gleichfalls tragisch, wie komisch sind die Geschichten, die mir die Kolleginnen erzaehlen, die im Jahr 91 frisch aus der Sowjetunion eingewandert waren und weder Hebraeisch konnten, noch sonst irgendwie begriffen hatten, wie sie sich bei den Scud Angriffen zu verhalten haben. Wie die Sirenen ertoent sind, erzaehlt mir Schwester Judith, haben sie die Gasasken aufgesetzt und Reinigungschemikalien vergossen und sind dann in Panik verfallen.

Hanna, die Freiwillige von der israelischen Polizei, die aufgrund des Schicksales ihrer Eltern eine zu Hause eine Holocast-Bibliothek, wie sie es nennt, angelegt hat, kann sich erinnern, wie der Golfkrieg ihren Vater fertig gemacht hat. Das Aufheulen der Sirenen, die Gasmasken und die Ungewissheit und schliesslich die Einschlaege in Ramat Gan und unweit von ihre Haus in Ramat Hen, haben seine Erinnerungen an den Holocaust heraufgespuelt.

Der Holocaust war eine wichtige Referenz, als israelische Bomber 81 den irakischen Atomreaktor Osirak zerstoerten.
Heute droht der Iran Israel mit Vernichtung. Auf einem antisemitischen Wahnsystem bauend, wird die atomare Bewaffnung des Iran zur existentiellen Bedrohung es juedischen Staates. Die Welt ohne Zionismus wird hier nicht nur als iranische Propaganda, sondern durchaus als Programm verstanden. In Israel wird eine iranische Fuehrung, die dem juedischen Staat gegenueber eliminatorisch gesinnt ist, als existentielle Bedrohung wahrgenommen. Die vom Iran finanzierten radikalistamistischen Terrororganisationen Hizbollah und Hamas geben mit ihrem Raketenterror eine Anzahlung auf den blutigen Ernst, mit dem es Israel an den Kragen gehen soll.

Der Holocaust ist in den Augen der Vertreter des Gottesstaates mehr oder minder eine Erfindung und damit ein delegitimierter Vorwand fuer einen juedischen Staat. Hier wuerde der Zusammenhang von Holocaust-Leugnung und einer Welt ohne Zionismus deutlich.

Es handelt sich bei Iran und Israel nicht um verfeindete Parteien, die sich in einem Interessenkonflikt gegenueberstehen. Es gibt zwischen den Laendern weder einen Grenz- noch einen Fluechtlingskonflikt. Trotzdem tachtet der Iran Israel nach der schieren Existenz und streckt die Hand zur Bombe.

Deutschland hat demonstiert, wie grenzenlos der antisemitische Wahn ist und die Geschichte hat gelehrt, wie wirkungslos sich das Appeasement hinsichtlich des eliminatorisch gesinnten Antisemitismus verhält.
Auch in Deutschland ging der tatsächlichen Judenvernichtung der Entschluss und die Planung voraus. Aus dem Holocaust sollte die Lehre gezogen werden, den Wahn eliminatorisch gesinnter Antisemiten nicht zu unterschätzen.
Wo ist die Auseinandersetzung, die Adorno und andere ideologiekritsche Sachbverständige eingefordert haben, um abzusichern, dass Ausschwitz nie wieder sei?

Israel – pt.5(3)/24 || Vom Technikum in die Rehov Ben Yehuda Str.

 

Eine Anekdote aus dem Unabhaengigkeitskrieg hat mit den Jekkes aus Naharia zu tun. Naharia wurde als landwirtschaftliche Genossenschaftssiedlung fuer deutsche Einwanderer gegruendet. Die Siedlung wuchs zu einer landsmannschaftlich geschlossenen Stadt. Als Naharia im Unabhaengigkeitskrieg abgeschnitten und von den Arabern belagert wurde, hielten die Bewohner die Stadt. In einem Funkspruch proklamierten sie: Naharia bleibt deutsch!
 
33 wanderten ca. 7600 Juden aus Deutschland in Palaestina ein und bis 36 blieb die jaehrliche Anzahl der Einwanderer auf diesem Niveau. Zwischen 33 und 36 entschieden sich ca. 30% der juedischen Auswanderer aus Deutschland fuer Palaestina. (Zum Vergleich: Zwischen 19 und 32 waren nur ca. 2000 Juden aus Deutschland nach Palaestina ausgewandert).
 
33 wurde in der Jewish Agency die Deutsche Abteilung gebildet, die sich um die Einwanderung deutschsprachiger Juden kuemmern sollte. Arthur Ruppin wurde Leiter dieses Zentralbueros fuer die Ansiedlung deutscher Juden in Palaestina. Nicht nur eine Persoenlichkeit sei Ruppin gewesen, erzaehlt Lillit P., sondern in den Kreisen junger deutscher Zionisten eine Koriphaee. Lillit P. und ihr Mann, die 33 eingewandert sind, waren mit der Familie Arthur Ruppins befreundet. Ein Enkel des zionistischen Politikers habe sogar bei ihnen zur Untermiete gewohnt, erinnert sie sich.
 
Die Deutsche Abteilung versuchte die Mittelstandseinwanderer zu einer landwirtschaftlichen Taetigkeit zu motivieren. Anreiz war u.a. Eine Beschleunigung des Kapitaltransfers durch die HaAvara. 15 % der Mitteleuropaeer liessen sich in landwirtschaftlichen Kolonien nieder. Die deutschsprachigen Einwanderer gruendeten eine Reihe landsmannschaftlich geschlossener Mittelstandssiedlungen. Das erste dieser deutschen Doerfer war Kiriat Bialik, das noch 33 gegruendet wurde. Ein Teil der Siedlungen, in denen Deutsch gesprochen und das deutsche Kulturgut gepflegt wurde, entstand auf oeffentlich rechtlichem Bodenbesitz, initiiert durch die Jewish Agency auf Land, dass dem JNF-KKL gehoerte. Ein Teil wurde von oeffentlich-rechtlichen Siedlungsbaugesellschaften auf KKL Boden gegruendet, waehrend ein anderer Teil der deutschen Siedlungen durch private Siedlungsbaugesellschaften oder durch Privatinitiative der Siedler auf Privatboeden gegruendet wurden.

Interessant ist die Geschichte von Schavei Zion, das von Juden aus Rexingen gegruendet wurde. Shavei Zion ist eine von vielen Siedlungen, die als Reaktion auf britische Siedlungsrestriktionen und arabische Feindseeligkeiten in der Turm und Mauer Bauweise errichtet wurden. Innerhalb eines Tages stand die Siedlung, von einer Palisade umgeben und von einem Turm ueberschaut. Die Turm und Mauer Siedlungen wurden mit Unterstuetzung des KKL-JNF bevorzugt am Rand des juedischen Siedlungsgebietes errichtet, um dieses fuer den Yishuv abzustecken. Die schwaebischen Einwanderer, die Rexingen als Gruppe verlassen hatten, lebten in Shavei Zion nach dem Genossenschaftsmodell. Arie K. erzaehlt, dass der Bahnhofsvorsteher von Shavei Zion so schwaebisch war, dass er die Station stets als “Schaafe Zion” ausgerufen hat.

Zur bedeutensten deutschen Siedlung entwickelte sich Naharia. Die Stadt war eine Kopfgeburt des russischen Agronomen Soskin, der ein Modell fuer intensivierte Landwirtschaft auf Kleinparzellen schaffen wollte. Die Umstaende der fuenften Aliya und die Ankunft vermoegender Einwanderer aus Deutschland brachten den Versuch einer Umsetzung der Vision im Rahmen einer privaten Siedlungsbaugesellschaft. Doch das utopische Kolonisationsmodell von Soskin scheiterte, da sich seine ehrgeizigen Plaene fuer die intensive Landwirtschaft in Naharia als unbrauchbar erwiesen. Das Naharia zu einem Zentrum der Milchwirtschaft wurde, geht tatsaechlich auf die Duldung von Ausnahmeregelungen zurueck. Die Mehrheit der Bewohnerinnen und Bewohner von Naharia wandten sich der Fabrikarbeit zu und machten die Stadt Naharia zur Wiege bedeutender Industrieunternehmen. Ausserdem schufen sie eine Tourismusbranche und machten die Stadt am Mittelmeer zum beliebten Badeort.

In Naharia sind die Verweise auf die Gruenderzeit weitgehend verschwunden. Einzelne Institutionen der Jekkeszeit haben sich aber gehalten. Das Caferestaurant Pinguin etwa befindet sich bereits seit 1940 am selben Ort und im Besitz der Gruenderfamilie Oppenheimer.

Das Pinguin in Naharia 2011

 

Die Einwanderung deutscher Juden wurde 33 durch ein kontrovers diskutiertes Transferabkommenbkommen zwischen der Jewish Agency, der Zionistischen Vereinigung fuer Deutschland und Nazideutschland befoerdert.Auf Seite der Zionisten hat Haim Arlozoroff das Transferabkommen ausgehandelt. Arlozoroff, dessen Familie vor Pogromen aus der ukrainischen Heimat nach Berlin geflohen war, hatte an der Beliner Universitaet studiert und sich sehr fuer den Zionismus engagiert. Waehrend seiner Studienzeit unterhielt er ein Verhaeltnis mit Magda Behrend. 24 wanderte Arlozoroff nach Palaestina aus und wurde ein hoher zionistischer Funktionaer im Yishuv.

Durch das “HaAvera”-Abkommen wurde juedischen Auswanderern nach Palaestina ermoeglicht ihr Vermoegen zu retten. Fuer den Yishuv bedeutete HaAvera einen Zufluss von Kapital und Einwanderern. Abgewickelt wurde der Transfer von der Paltreu GmbH in Deutschland und der Haavera Ltd. in Israel, beide Tochtergesellschaften der Anglo Palestine Bank. Auswanderer haben ihre Vermoegenswerte auf einem Konto der Paltreu hinterlegt. Von den Einzahlungen in Reichsmark wurden deutsche Waren fuer den Export nach Palaestina gekauft. In Palaestina kontrollierte die Haavera die Abnahme der Waren an die Importeure und die Auszahlung des Gegenwertes der Waren in palaestinensischen Pfund an die Auswanderer. So wurde die Einwanderung der deutschen Juden befoerdert, die durch das Abkommen ihr Vermoegen, oder zumindest einen Teil davon, sichern konnten. Der Kapitaltransfer sowie die Einwanderung deutscher Unternehmer, Industrieller und Facharbeiter bedeutete fuer die Wirtschaft des Yishuv einen immensen Schub. Auf der anderen Seite half das Abkommen auch der deutschen Exportwirtschaft und geriet deshalb unter Beschuss durch die Revisionisten. In der Haaretz erschien 33 ein Aufruf an die Bewohner des Yishuv, das Abkommen anzuerkennen und Demagogen zurueckzuweisen. Arlozoroff wurde noch 33 ermordet. Er kam aus der Pension Kaethe Dan als er am Strand niedergeschossen wurde.

Magda Behrend wurde 31 Magda Goebbels.

Nach 36 ging die juedische Einwanderung nach Palaestina drastisch zurueck. Miriam K., die Frau von Arie K. erzaehlt von den ungemuetlichen Zustaenden zur Zeit der arabischen Aufstaende, die 36 vom Zaun gebrochen wurden und drei Jahre andauerten. Sie selbst ist 33 mit zehn Jahren ins Land gekommen und bei ihrem Onkel in Gadera aufgewachsen. Als der Aufruhr begann wurde ihr der Umgang mit einem Gewehr beigebracht und im Alter von 13 Jahren wurde sie bereits fuer den Wachdienst eingeteilt. Unter dem Eindruck der Aufstaende entschlossen sich insgesamt weniger Juden zur Einreise nach Palaestina. Die Einwanderung aus Deutschland erlebte indes keinen Einbruch. Aufgrund der Judenverfolgungen in Deutschland, v.a. unter dem Eindruck der Progromnacht 38, erschien vielen deutsche Juden die Ausreise nach Palaestina trotz der arabischen Aufstaende notwendig. Der relative Anteil deutscher Einwanderer erhoehte sich ab 36 und 39 kam schliesslich jeder zweite Einwanderer aus Deutschland.  

Die britische Mandatsmacht reagierte auf die arabischen Aufstaende mit Einreiserestriktionen, die schliesslich 39 in der Weissbuchpolitik ihren Hoehepunkt fanden. Die britische Mandatsmacht reglementierte ab 37 die Arbeitereinwanderung, waehrend die Einwanderung gegen Nachweis von Eigenkapital zunaechst uneingeschraenkt blieb.

Die Industrie im Mandatsgebiet war vor der fuenften Aliya mit vielen Problemen behaftet. Fuer die Produkte der Industrie nur einen kleinen Markt, auf dem sie zudem noch mit Importen konkurrieren mussten. Auch der niedrige Lebensstandard hemmte den Binnenabsatz. Die Industrie hatte im Gegensatz zur Landwirtschaft ein niederes Ansehen. Sie war den sozialistisch-zionistisch ausgerichteten Pionieren suspekt. Die Pioniere der zweiten und dritten Aliya waren ohne Kapital und Bildung ins Land gekommen und hatten eine gefestigte revolutionaere Einstellung, die das Profitstreben ablehnte und dem Unternehmertum feindlich gegenueberstand.

Erst im Laufe der Zeit erfuhr der unternehmerische Beitrag zum Aufbau des Yishuv seine Wuerdigung.

Lucy Borchard, die seit 1930 Geschaeftsfuehrerin der Reederei Borchard war, bildete nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten juedische Jugendliche in ihrem Betrieb aus, um ihnen so die Ausreise nach Palaestina zu ermoeglichen. Zudem verschiffte sie Auswanderer in ihren Frachtschiffen, die sie nach Palaestina verkaufte. Ihr Sohn Jens gruendete 35 in Haifa die Atid Navigation Reederei und auch bei der Ueberfuehrung von drei Schiffen an die neu gegruendte Schifffahrtsfirma waren vielen Auswanderer an Bord. Die von Lucy Borchard ausgebildeten Seeleute und die unternehmerische Taetigkeit der Familie in Israel bildeten die Keimzelle der israelischen Schifffahrt und der Marine

Die Wirtschaft von den Jekkes bedeutend modernisiert. Als Unternehmer, Banker und Kaufleute verfuegten die deutschsprachigen Einwanderer ueber reichlich Fachwissen um Handel, Industrie und Geldwirtschaft auf die Hoehe der Zeit zu bringen. Das Witschaftswachstum, fuer das die Jekkes gesorgt haben, trug seinen Teil dazu bei, die Araber in Palaestina weit zu ueberfluegeln. 37 zaehlte der Yishuv 240 deutsche Unternehmer. Die Jekkes brachten die Geldwirtschaft und das Versicherungswesen, die Pharma- und Textilindustrie und anderen Unternehmensbereiche voran.

Die Familie von Elsa K., die in Solingen eine Fabrik fuer Rasiermesser hatte, legte in Israel den Grundstein fuer ein neues florierendes Geschaeft.

In der Metallbranche brachte der Unternehmer Wertheimer seine Firma Iscar an die Weltspitze. Stef Wertheimer, der die Rangliste der vermoegensten Israelis anfuehrt, wanderte 37 nah Palaestina ein. Er liess sich fuer die Hagana und den Palmach rekrutieren und arbeitete nach der Unabhaengigkeit fuer ein staatliches Ruestungsunternehmen. 53 gruendete er in Naharia eine Firma fuer Metallverarbeitung. Iscar profilierte sich auf dem Weltmarkt und Wertheimer zog mit der sich vergroessernden Firma in den dafuer angelegten Industriepark Tefen. Henryk M. Broder hat sich dem Unternehmer und seinem Industriepark in einem Artikel gewidmet. Nach dem Vorbild von Tefen errichtete Wertheimer noch weitere Industrieparks im Land.

Skulptur im Industriepark Tefen

 

 

 

 

 

 

 

Die Familie Strauss aus Ulm hat in Naharia den Lebensmittelkonzern Strauss gegruendet. Ebenfalls in Naharia wurde der Lebensmittelkonzern Soglobek gegruendet.  

Weitere Lebensmittelkonzerne, die von Jekkes gegruendet wurden, sind Osem, Blue Band, Nesher.

Die Eltern von Frau Henni R. aus Muenchen hatten eine Pappenfabrik mit vielen Angestellten, die der Familie zu einigem Wohlstand verholfen hatte. Wenn wir am Morgen Alpenpanorama auf 3sat schauen, kann sie von nicht wenigen Skigebieten behaupten, dass sie zu ihrer Zeit dort war. Mit Freundinnen ist sie mit der Eisenbahn in die Skigebiete gefahren. Als die Nazis an der Macht waren, ist die Familie nach Israel ausgewandert. Sie kam als junges Maedchen als letzte der Familie nach. Nicht ganz unvorbereitet, da auch in Muenchen zionistische Gruppen aktiv waren. Der Beitrag von Henni R. fuer Israel ist ein sehr buergerlicher. Ein sehr deutscher. Sie war an der Begruendung der Sozialarbeit in Israel beteiligt. Sie hat u. a. einen Hilfsverein fuer autistische Kinder gegruendet, einen sehr bedeutenden Traeger der Sozialarbeit. Sie war ueber ihre Arbeit mit Dr. Siegfried Hirsch, dem Gruender des Behindertendorfes Kfar Tikva bekannt, wo ich 2004 mein Volontariat geleistet habe.

Der Vater von Henni R. hat in Tel Aviv eine neue Pappenfabrik gegruendet mit “arabischen und juedischen Angestellten”, wie Henni R. erzaehlt.

Auch das Hotelwesen wurde von den Jekken bedeutend vorangebracht. In Tel Aviv gingen aus der Pension Kaethe die Dan Hotels hervor. Die Pension Kaethe wurde von Lotte Cohn entworfen.

Die Einwanderer aus Mitteleuropa standen nicht nur als Unternehmer, Industrielle, Facharbeiter und Dienstleister hinter der oekonomischen Entwicklung des Yishuv. Sie foerderten auch als Konsumenten und Kunden das wirtschaftliche Wachstum.

Unweit von Gold- und Silberwarengeschaeft von Selma G. und ihrem Mann hatte Haim G. einen Buecherladen. Angefangen haette er mit gebrauchten deutschen Buechern, sagt Haim G.

Ida E. fuehrte mit ihrem Mann ein Fachgeschaeft fuer Damenbekleidung in der ehemals renomierten Allenby Strasse in Tel Aviv. Ida E. ist 38 nach Palaestina eingereist. Ihr Handwek hat sie in Dresden gelernt und wurde fuer ihre Faehigkeiten zur Traegerin des deutschen Handwerks ernannt. Ihr Fachgeschaeft fuer Damenbekleidung hielt das Versprechen deutscher Massarbeit. Wer es sich haette leisten koennen, sagt Ida E., haette bei ihnen eingekauft. Viele ihrer Kunden seien Deutsche gewesen, sagt sie und fuegt an, dass sie die deutschen Kunden am liebsten gehabt haette. Von der Qualitaet ihrer Erzeugnisse sei die Bekleidungsindustrie heute weit entfernt, sagt sie.

Meine Bewohnerin Selma G., die das Alter von 103 erreicht hat, hatte mit ihrem Mann ein Geschaeft fuer Gold- und Silberwaren und Uhrenreperatur. Julius K. hatte ein Fachgeschaeft fuer Elektrowaren.

Gertrude B., eine Bewohnerin des betreuten Wohnens, hat mich voller Interesse auf Stuttgart angesprochen, weil die Brueder ihres Grossvaters dort ein Warenhaus hatten. Sie hat irrtuemlich angenommen, dass mir der Name Schocken sicher nichts sagen wuerde.

Der Grossvater von Gertrude B., ein frommer Mann, lebte mit seiner Frau in Bremerhaven, wo die beiden zwei unabhaengige Kaufhaeuser besassen. Sie fluechtete nach der Reichspogromnacht mit ihrem Vater nach Palaestina. Sie kann sich noch an die grosse Villa ihrer Grosseltern und Eltern in Bremerhaven erinnern. Ein praechtiger Bau, in dem sich heute ein Altersheim befindet. Gertrude B. und ihr Vater sind unter dem Eindruck der Reichspogromnacht nach Palaestina ausgereist und ihre Tanten in die USA. Ihre kranke Mutter blieb mit der Grossmutter in Bremerhaven. Beide wurden in Konzentrationslagern ermordet. In Tel Aviv lebte sie nach ihrer Flucht mit ihrem Vater in einer sehr bescheidenen Wohnung. Ihr Grossonkel Salman war schon 1934 aus Deutschland nach Palaestina ausgewandert.

Salman Schocken war beruehmter Kaufmann, Zionist und Verleger. Er besass mit seinem Bruder Simon ein Warenhausunternehmen, dessen Alleineigentuemer er wurde, als sein Bruder toedlich verunglueckte. Als es eine AG wurde, gehoerte Gertrudes Grossvater dem Aufsichtsrat an. Die Schocken Kaufhaeuser in Chemnitz, Nuernberg und Stuttgart hat Erich Medelson gebaut. Der Zionist Schocken gruendete ein Institut fuer die Erforschung der hebraeischen Poesie und wurde 31 zudem Verleger. Schocken war der erste Herausgeber von S.Y. Agnon. 34 reiste er nach Palaestina aus. Sein Verlag in Berlin wurde zwangsgeschlossen und seine Kaufhaeuser arisiert. Salman

Detailansicht der Bibliothek von Schocken in Jerusalem

Schocken hat in Palaestina die Zeitung Haaretz gekauft und die Haaretz Gruppe gegruendet. Sein Sohn Gershom Schocken, wurde Chefredakteur der liberalen Tageszitung und dessen Sohn Amos ist heute deren Herausgeber. 39 hat Salman Schocken auch ein Verlagshaus in Tel Aviv gegruendet, dessen Direktor ebenfalls sein Sohn Gershom wurde. Arie K. hatte beruflich mit dem Verleger Gershom Schoken zu tun. Gershom Schocken,erzaehlt mir Arie K., wobei er Gustav Schocken sagt, habe ein Verhaeltnis mit seiner Sekretaerin gehabt, die er dann auch geheiratet hat. In Jerusalem wohnte sein Vater Salman Schocken in einem Haus mit grosser Bibliothek, dass ihm Erich Mendelson gebaut hat.

Die Einwanderer aus Deutschland haben ueberproportional viel zur gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung des Yishuv beigetragen. Die liberale Haaretz und der Hilfsverein fuer die autistische Kinder sind nur zwei Beispiele. Die Jekkes haben die liberale Maccabi Krankenkasse gegruendet, weil die vom Arbeiterverband Histadruth gegruendete sozialistische Krankenkasse keine freie Aerztewahl zugelassen hat. Heute ist die freie Aerztewahl in allen Krankenkassen ueblich. Die Jekkes haben das Cameri Theater gegruendet, bennant nach den Kammerfestspielen in Berlin. Das erste Stueck “Diener zweier Herrn”, das im Cameri aufgefuehrt wurde (und bis heute aufgefuehrt wird) war auch Premierenstueck der Kammerfestspiele in Berlin.

Der 1926 nach Palaestina emigrierte Dr. Walter Moses gruendete 58 das Eretz Israel Museum, dessen Abteilung fuer Muenzen jahrelang von Arie K. geleitet wurde.

Sie haben das Konservatorium in Jerusalem gegruendet und waren bei der Gruendung des philharmonischen Orchesters in Tel Aviv beteiligt. Deutsche Professoren haben sich um die Forschung und Lehre verdient gemacht und Palaestina zu einem akademischen Leuchtturm im Nahen Osten gemacht. Die vielen Beamten, Anwaelte und Richter, die mit der fuenften Aliya ins Land gekommen sind, wurden nach der Staatsgruendung gebraucht, um den Staatsapperat und das Rechtswesen aufzubauen.

Im Gegensatz zu den Pionieren der zweiten Aliya waren die deutschsprachigen Einwanderer der fuenften Aliya vielleicht weniger gluehende Idealisten. Dafuer waren sie ausgebildet und hatten Berufe und damit Wissen und Faehigkeiten, die der Entwicklung des Yishuv in anderer Weise zutraeglich waren.

Und irgendwann hat die Bezeichnung Jekke sich gewandelt. Ueber die herablassende Zuschreibung von aussen hinaus wurde sie zur Selbstbezeichnung.

Und die Integrationsprobleme der Jekkes, die den osteuropaeischen Pionieren so sehr Aergernis waren, sind heute in liebevoll gepflegte Annekdoten verpackt. In Tel Aviv gibt es die Ben Yehuda Strasse, benannt nach dem Begruender des modernen Hebraeisch Ben Yehuda. Im hebraeischen Rechov Ben Yehuda (Rechov bedeutet Strasse und wird dem Strassennamen vorangestellt). Die Rechov Ben Yehuda wurde von vielen Jekkes bewohnt. Und den Jekkes galt die Rechov Ben Yehuda als Rechov-Ben-Yehuda-Strasse. Mir wurde im Heim versichert, dass die Bezeichnung tatsaechlich gebrauchlich war.

Israel – pt.5(2)/24 || Vom Technikum in die Rechov Ben Yehuda Str.

 

In einer Nachtschicht hat mich eine Bewohnerin des betreuten Wohnens zu sich gerufen, um mir ihr Leid der Schlaflosigkeit zu klagen. Um Viertel vor Zehn hat sie ihre Tabletten genommen, um zum Ende von Guenter Jauch und “Wer wird Millionaer” einzuschlafen. Nach Mitternacht war sie aber wegen der laecherlich geringen Dosis schon wieder wach. Auf Hebraeisch und Deutsch hat sie mir ihr Problem erklaert. Wieder und wieder, da sie nicht sicher war, ob ich es begreife. Ihr ganzes Leben lang habe sie hoch dosierte Schlafmittel genommen und nun wolle man sie mit den paar Tabletten abfertigen, die ihr am Abend ausgehaendigt wurden. Um sie etwas von ihrem Aerger abzubringen habe ich versucht das Thema zu wechseln.

Elionore D. kam 39 nach Eretz Israel. Sie ist in Zerbst geboren, wo sie mit 14 Jahren als Juedin vom Lycee geflogen ist. Obwohl sie aus einer vorbildlich deutschen Familie kam. Ihre Vorfahren haetten sich in Magdeburg als Buerger ins Stadtbuch eingeschrieben, als dies den den Juden moeglich war. Im Kaufhaus Schocken in Zerbst hat sie trotz ihrer jungen Jahre Arbeit gefunden.

37 ging sie zu einem zwei jaehrigen Hachshara-Kurs auf das landwirtschaftliche Gut Winkel, um sich fuer die Einwanderung in Palaestina schulen zu lassen. Das Gut Winkel war Privatbesitz des Kaufhausmagnaten und Zionisten Salman Schocken. Neben Land- und Hauswirtschaft waren die Sprache, die juedische Identitaet und natuerlich das Leben im Kollektiv Teil der Kurse. 39 gelangte Elionore D. von Trieste mit gueltigen Einreisepapieren nach Palaestina. Dort hat sie in einer Landwirtschaftsschule in Hadera ihre Vorbereitung auf das Leben in der neuen Heimat abgeschlossen. Stolz erzaehlt sie, dass sie dank Hachshara in der Landwitschaftsschule stets gelobt worden sei. Waesche wurde mit einem Waschbrett ueber einem Zinkbottich gewaschen und Elionore D. war eine sehr gute Waescherin. Ihre beste Freundin war ein Maedchen aus Koeln, mit der sie sich auf Deutsch unterhalten hat. Sie selbst hat in den Hachshara-Kursen Hebraeisch gelernt. Nach Abschluss der Schule ging sie ins Kibbuz und lernte dort ihren spaeteren Ehemann kennen. Waehrend sie sich im Kibbuz sehr wohl gefuehlt hat, kam er mit dem Leben als Landwirt nicht zurecht. Sie gingen nach Ramat Gan und er studierte Musik und wurde ein grosser Pianist. Allerdings in Deutschland, wo sie ihn jedes Jahr besucht hat.

11 war der Zionist Felix Rosenblueth, der sich spaeter Pinkhas Rosen nennen sollte, Mitbegruender der juedischen Jugendbewegung Blau Weiss in Deutschland. Dem Bund fuer juedisches Jungwandern Blau-Weiss folgten weitere juedische Jugendbuende, die zunehmend zionistisch ausgerichtet waren.

Hinwendung nach Palaestina und Vorbereitung auf die Auswanderung nach Palaestina war Teil der Erziehung juedischer Jugendbewegungen in Deutschland. Ab 31 entstanden in Deutschland Gruppen des HaShomer HaTzair, der jungen Waechter, einer bedeutenden sozialistisch-zionistischen Jugendbewegung, die Jahre zuvor in Galizien gegruendet wurde. Der Hashomer HaTzair errichtete Kibbuze in Palaestina, vereinigte diese unter einem Dachverband und wurde wichtige politische Kraft des Yishuv.

Mit der Machtergreifung durch die Nazis wurde die Vorbereitung auf die Auswanderung immer bedeutender. Hachshera, wie die Vorbereitung auf die Einwanderung in Palaestina bezeichnet wurde, sollte in den Fokus der zionistischen Jugendbewegungen geraten. Der HeChalutz (Der Pionier) Dachverband der zionistischen Jugendbewegungen war ein zentraler Traeger der Hachshera. Der HeChalutz, der in zahlreichen Laendern aktiv war, unterhielt Vorbereitungslager, in denen landwirtschaftliche und handwerkliche Faehigkeiten und Kenntnisse vermittelt wurden, die fuer den Aufbau in Palaestina bedeutend waren. Neben den Vorbereitungslagern des HeChalutz gab es noch weitere Hachshera-Stellen. Koordinator der Hachshera Stellen in Deutschland war ab 38 Martin Gerson, dessen “Amtssitz” sich im Vorbereitungslager Gut Winkel befand.

Ahron G. kam mit der Jugendaliya nach Palaestina, nachdem er einen dreimonatigen Vorbereitungskurs der Jugendaliya auf einem Bauernhof nahe Koeln absolviert hat. Mit einer Gruppe von 52 Jugendlichen kam er in Israel in das Kibbuz HaYeled HaShachar. Wie er sagt, waren nicht wenige unter ihnen von zu Hause verwoehnte Kinder, die ihren ersten Schock bekamen, als sie um 5 Uhr morgens aufwachen mussten, um in die Arbeit des Kibbuz eingebunden zu werden. In der landwirtschaftlichen Kollektivsiedlung hatten sie nun ihren Teil zum Aufbauwerk beizutragen. Sie erlernten die Feldarbeit und das Zusammenleben im Kibbuz und wurden militaerisch trainiert. Beim Vertrieb der Feldfruechte kam Ahron G. oft mit einem jungen Mann vom Kibbuz Ginnosar zusammen, mit dem er sich befreundete und der einer seiner Weggefaehrten in der Armee werden sollte. Es war Yigal Allon, der spaeter Kommandant des Palmach und noch spaeter Oberbefehlshaber der israelischen Streitkraefte werden sollte.

Meine Bewohnerin Else J. war in Koenigsberg in der zionistischen Jugendbewegung Habonim. Ihre Schwester ist, wie Ahron G. und Tausende anderer Jugendlicher mit der Jugendaliya in ein Kibbuz gekommen.

Die Kinder- und Jugendaliya wurde 33 in Berlin von Recha Freier gegruendet, um juedische Kinder vor den Nazis zu retten. Waehrend der 30er kamen ca. 22.000 Kinder und Jugendliche aus Deutschland mit der Kinder- und Jugendaliya nach Palaestina und wurden so vor dem Gas gerettet. Ansatz der Jugendaliya war, den Jugendlichen in Palaestina nach ihrer Einreise eine Ausbildung zu ermoeglichen statt diese zur Voraussetzung fuer die Einwanderung zu machen. Die Jugendaliya unterhielt verkuerzte Hachshera Kurse, wie sie z. B. die dreimonatige Vorberietung von Ahron G. und schickte aber auch unvorbereitete Jugendliche, wie z.B. Lotte L., nach Palaestina. Recha Freier bemuehte sich darum, die Jugendlichen in Kibbuzen unterzubringen. Sie musste hart fuer ihr Konzept kaempfen. Der Schwester von Else J. hat dies das Leben gerettet. Und Else J. selbst und ihrer Familie schliesslich auch. Da ihre Schwester schon in Palaestina war, konnten ihre Eltern 39 noch eine Einreiseerlaubnis von den Briten erlangen. So kam Else J. im zarten Alter von 15 Jahren trotz der Weissbuchpolitik der Briten noch nach Palaestina.

Meine Bewohnerin Lotte L. gelangte noch 39 mit der Jugendaliya nach Palaestina. Lotte L. kommt aus dem badischen Billigheim und ging auf eine Klosterschule, wo sie u. a. naehen gelernt hat. Im Kibbuz Givat HaShlosha wurde sie aufgrund dieser Faehigkeit in der Waescherei bei der Reparatur von Kleidungsstuecken eingesetzt. Ihre beiden Zwillingsgeschwister konnten noch spaeter mit der Kinderaliya aus Deutschland gerettet werden. Sie befanden sich auf dem letzten Schiff, das Kinder und Jugendliche legal nach Palaestina gebracht hat. Sie wurden zu Landwirten ausgebildet und blieben bis ins hohe Alter hinein Bauern in den Kibbuzen, in denen sie sich schliesslich niedergelassen haben. Die Eltern von Lotte L. wurden in Ausschwitz ermordet.

Es sollte aber bis zur Machtergreifung der Nazis dauern, bis Recha Freiers vorausschauend gegruendete Jugendaliya breite Unterstuetzung fand. 32 fiel es ihr noch schwierig fuer die Absorption der Jugendlichen in Palaestina zu sorgen. Sie wandte sich an Siegfried Hirsch, der die erste Einwanderergruppe der Jugendaliya in Ben Shemen aufnahm. Ben Shemen wurde schon 27 vom Arzt Siegfried Lehmann fuer litauische Jugendliche gegruendet, die bei Pogromen ihre Eltern verloren hatten. 32 kamen die ersten Jugendlichen der Jugendaliya nach Ben Shemen. Ab 34 setzte der Zustrom von Jugendlichen ein und nach 45 kamen viele Waisen ins Land, die ihre Eltern im Holocaust verloren hatten. Das paedagogische Konzept des Jugenddorfes Ben Shemen verband landwirtschaftliche und musikalische Erziehung. In der landwirtschaftlichen Siedlung wurde der Pflege der Musiktradition sehr viel Wert beigemessen. Auf einem Bild, dass in den fruehen Jahren von Ben Shemen aufgenommen wurde, sieht man ein ein kleines Jugendorchester neben einer unbefestigten Strasse musizieren. Das kultivierte Treiben setzt sich krass von der rauhen Umgebung ab und vermittelt einen Eindruck von der besonderen Fusion feingeistiger Muse und harter Landarbeit, die dort geprobt wurde.

Mit der architektonischen Planung der Siedlung wurde der deutsche Architekt Fritz Kornberg beauftragt. Kornberg hatte u. a. das erste Lehrgebaeude der Hebraeischen Universitaet entworfen und das Amphitheater fuer die feierliche Einweihung der Universitaet. Kornbergs Ausrichtung war ein Mittelweg zwischen der Sachlichkeit Kaufmans und dem juedisch-orientalischen Stil von Baerwald. Gerade als das Jugenddorf Ben Shemen weiter ausgebaut werden musste, verstarb der deutsche Architekt Fritz Kornberg. Lotte Cohn und der Mann von Lillit P. fuehrten sein Werk in dem ehrwuerdigen Jugenddorf fort.

Israel – pt.5(1)/24 || Vom Technikum in die Rechov Ben Yehuda Str.

Das Technion (gemalt vom Kuenstler H. Struck, der 23 von Berlin nach Palaestina emigriert ist)

 

 

 

 

 

 

 

An einem unschuldigen Sommermorgen wurde ich nichts Boeses denkend zum Ausloeser einer anachronistischen Auseinandersetzung. Fuenf Minuten Pause unter der Laube im Garten meines Elternheimes haben ausgereicht, um einen verstaubten Widerstreit anzuzetteln. Ich habe meine Bewunderung fuer die Aufbauleistung der deutschen und kulturdeutschen Einwanderer geaeussert. Galia P., eine private Betreuerin, deren Familie aus Russland eingewandert ist, als sie ein halbes Jahr alt war, meinte, dass Israel nicht von den Jekkes sondern mit deutschen Geldern aus den Wiedergutmachungsabkommen aufgebaut worden waere und die deutschsprachigen Einwanderer bis zum Eintreffen der Gelder in armseligen Verhaeltnissen gelebt haetten. Ruth A. widerspricht heftig und fuehrt die harte Arbeit ihrer Eltern in Kfar Yeddith als Beispiel an. Natuerlich haetten die Gelder ihnen letztlich geholfen, sagt sie, aber es sei doch eine grobe Verfaelschung der Geschichte, die Leistung der Jekkes auf die Gelder aus dem Wiedergutmachungsabkommen zu reduzieren. Der ueberproportionale Beitrag der Jekkes beim Aufbau des Landes zeige sich zum Beispiel in der Wirtschaft und den vielen Unternehmen, die von deutschsprachigen Einwanderern gegruendet worden seien. Die Auseinandersetzung eskalierte dann als Hanna G., die als Freiwillige der israelischen Polizei eine Handarbeitsgruppe im Heim leitet, etwas provokant anmerkt, dass die russischen und polnischen Pioniere das Land aufgebaut haben und der Beitrag der Jekkes ueberhoeht wuerde. Dies entsetzte den Schwiegersohn von Dov D., dessen Vater Arzt in Deutschland war und mit der Familie im Zuge der fuenften Aliya nach Palaestina kam. Er selbst hat am Technion Medizin studiert und verweist auf die deutsche Gruendungsgeschichte des Instituts. Auf seinen Zeugnissen habe noch in altdeutscher Schrift “Technikum” gestanden, erzaehlt er. Auch Ahron G., der am Technion zum Ingenieur ausgebildet wurde, erinnert sich an das “Technikum” in Suetterlinsschrift.

Ich moechte dieses Kapitel dem deutschen Beitrag zum russischen Werk der Staatsgruendung widmen. Den Publizisten, Visionaeren, Funktionaeren, Architekten, Initiatoren, u.v.m., die den Staat auf den Weg gebracht und ihn gepraegt haben.

09 gab der Berliner Hilfsverein fuer deutsche Juden “Ezra” das Technikum in Haifa in Auftrag. Als Architekt wurde Alex Baerwald engagiert. Das Technikum ist von Baerwald im orientalischen Stil gehalten mit Verweisen auf den zweiten Tempel. Mit seinem Baustil suchte der Architekt eine eretz-israelische Identitaet. Das Schaffen von Alex Baerwald ist durch die Fusion morgenlaendischer Stilelemente mit deutscher Baukunst charakterisiert. Der Verdienst des Architekturpioniers lag in der Uebertragung technischer Errungenschaften, um den klimatischen und landschaftlichen Herausforderungen zu begegnen. Baerwald hatte sich intensiv mit den speziellen Bedingungen in Palaestina auseinandergesetzt. Er hat das Siedlungsgenossenschaft Merchavia entworfen (und dabei u. a. auf Satteldaecher gesetzt), die Anglo-Palestine Bank in Haifa, ein Wohnhaus fuer H. Struck in Haifa, … 

“Die Anstalt fuer technische Erziehung in Palaestina”, die als eines seiner Hauptwerke gilt, war das Erste seiner Art in Eretz Israel. Unter tuerkischer Herrschaft gab es keine technische Hochschule in Palaestina.

Die Fertigstellung zog sich bis 25 hin. In der Zeit biss der Hilfsverein mit seiner Forderung Deutsch als Unterrichtssprache zu verwenden auf Granit. Die Pioniere bestanden auf Hebraeisch und setzten sich damit letztlich durch und aus dem Technikum wurde das Technion. Alex Baerwald wurde nach seiner Einreise 25 Leiter der Architekturfakultaet am Technion. Eine Ausstellung im Stadtmuseum von Haifa hat die Errichtung des Technions als Meilenstein der Stadtgeschichte beschrieben und die Auswirkungen auf die Entwicklung der juedischen Bevoelkerung der Stadt aufgezeigt. Dem Sprachenkrieg kommt eine zentrale Bedeutung in der Herausbildung der kulturellen Identitaet des Yishuv zu.

Die Durchsetzung der hebraeischen Sprache war untrennbar mit der Ideologie der Pioniere und ihrer Vision einer Wiederauferstehung des juedischen Volkes in seiner Heimat verbunden. Die Kolonialisten der zweiten Aliya kamen ab 04 ins Land. Ihr zionistisch-sozialistisches Engagement faengt in zionistischen Debattierclubs in Russland, der Ukraine, Litauen und Weissrussland an und laesst sie im Laufe ihres eigenen Lebens ihre Utopien leben und jenseits ihrer kuehnsten Traeume verwirklichen. Es ist eine in der Siedlungs- und Voelkerwanderungsgeschichte der Menschheit einmalige

Felder im Jordantal 2010

Leistung der Kolonialisten im Verlauf einer Generation aus der oeden osmanischen Provinz, die sie vorfanden, einen Wohlfahrtsstaat zu gruenden. Die Pioniere kolonialisierten ausgedoerrte und allem Anschein nach unmoegliche Wuesten- und Bergregionen. Sie organisierten ihre Verteidigung, unterstuetzten die Einwanderung und bemuehten sich bei ihren Glaubensbruedern in aller Welt unermuedlich um Gelder fuer den Ankauf neuer Boeden. Die Einwanderer der zweiten Aliya kamen als junge Idealisten um die Erloesung der Juden und die Befreiung des Proletariats zu verwirklichen.

Einer ihrer wichtigsten Vordenker war Moses Hess, einer der ersten deutschen Sozialisten und zeitweiliger Mitstreiter von Karl Marx. Hess war auch Zionist und forderte 1862 in seiner Schrift „Rom und Jerusalem“ die Besinnung auf die juedische Nationalitaet und die Errichtung eines juedisch sozialistischen Gemeinwesens in Palaestina . Bei Hess fusionieren erstmals die Ideen des moralischen Sozialismus und des aufgeklaerten Nationalismus.
Leo Pinsker, Arzt aus Odessa, hat in den fruehen 1880er Jahren die Pogrome im Zarenreich erlebt und als Reaktion darauf das Buch Auto-Emanzipation verfasst. Das Buch erschien auf Deutsch in Berlin, da Pinsker vielleicht irrtuemlich angenommen hatte, dass die leidenden Juden im Zarenreich nicht bereit fuer seine Sichtweisen waeren. Tatsaechlich entstand aber 1882 in Charkov die erste zionistischen Gruppe, die Keimzelle der ersten zionistischen Organisation Chibat Zion sein sollte, die Kolonien in Palaestina erichtete. Waehrend die fruehen zionistischen Organisationen, wie Chibat Zion, von Pinsker beeinflusst waren, blieb er im deutschsprachigen Raum mehr oder minder unbemerkt.

Die meisten Einwanderer der ersten Aliya, die von den ersten zionistischen Organisationen fuer die Kolonisation gewonnen werden konnten, waren Fluechtlinge, die in Familienverbaenden kamen. Sie hatten ihre liebe Mueh mit den unwirtlichen Bedingungen und das Kolonisationsprojekt der ersten zionistischen Organisationen konnte letztlich nur durch den philanthropischen Einsatz von Edmond de Rothschild aufrecht erhalten werden. Die sozialistische Indoktrination reifte derweil im revolutionaeren Russland, um dann ab 04 mit der zweiten Einwanderungswelle den Charakter des Siedlungswerkes zu bestimmen.

Zur politischen Kraft wurde der Zionismus mit dem ersten zionistischen Weltkongress 1897 in Basel unter dem Vorsitz von Theodor Herzl. Die zionistische Weltorganisation, die aus dem Kongress hervorging machte sich die Gruendung einer “oeffentlich-rechtlich gesicherten Heimstaette” zum Ziel. Herzl brachte die Judenfrage auf die internationale Agenda. Er sucht eine politische statt einer philanthropischen Loesung. Mit den Mitteln der Diplomatie und der oeffentlichen Propaganda sollte das nationale Projekt auf den Weg gebracht werden.
Nach dem ersten zionistischen Weltkongress in Basel schrieb Herzl in sein Tagebuch, dass er den Judenstaat gegruendet hat.
Herzl wurde 1860 in Budapest geboren und zog mit seiner Familie 18 Jahre spaeter nach Wien, wo er Schriftsteller, Journalist und Lebemann wurde. Schockiert vom europaeischen Antisemitismus veroeffentlichte er 1896 seine Schrift Der Judenstaat, in der er darlegt, dass die Judenfrage mit einem souveraenen juedischen Staat geloest werden muesse. Der Judenstaat, den der Visionaer vor Augen hatte, war ein aufgeklaerter Sozialstaat.
Als Sprache uebrigens favorisierte Herzl Deutsch oder Englisch. Vielleicht auch Franzoesisch, nicht aber Hebraeisch. Es sollte nicht die einzige Differenz zwischen ihm und dem Lager der russischen Zionisten bleiben.

Eine der herausragenden Persoenlichkeiten der russischen Zionisten war Menachem Ussishkin, der ueberzeugt war, einen juedischen Staat durch praktische Siedlungstaetigkeit zu erreichen. Fuer Ussishkin gehoerte die Wiederbelebung der hebraeischen Sprache zum Kern des Zionismus.

Waehrend er die Kolonisation des Landes inspirierte, verfolgte Herzl selbst einen streng diplomatischen Zionismus. Er bemuehte sich bei der Hohen Pforte um eine “Charter” zur Ansiedlung von Juden in Palaestina und wandte sich auch vertrauensvoll an den deutschen Kaiser als wichtigsten Verbuendeten der Osmanen. Herzl hoffte den Antisemitismus in Deutschland fuer die Anerkennung einer Heimstaette fuer die Juden fruchtbar machen zu koennen. Allerdings scheiterte sein diplomatisches Bemuehen. Als sich Herzl mit seinem Anliegen dann an die Briten wandte, machten diese ihm den Vorschlag, die Heimstaette in Uganda zu errichten. Als er beim Kongress 03 eine Pruefung dieser Option verlangte, brachte er die russischen Delegierten endgueltig gegen sich auf. Ohne auf politischem Weg irgendetwas erreicht zu haben starb Herzl 04.

Er hinterlies der zionistischen Bewegung das Motto “Wenn ihr wollt, ist es kein Maerchen”.

 

Der Hebraeische Arbeiter

 Die legendaere zweite Aliya war massgeblich von Herzl inspiriert. Die jungen osteuropaeischen Einwanderer, die ohne abgeschlossene Bildung und ohne Kapital nach Palaestina uebersetzten waren aber nicht bereit, die Zusage der Tuerken oder sonst einer Grossmacht abzuwarten. Sie verstanden sich als Avantgarde, die auf dem Boden des ersehnten Landes die Befreiung der Juden einleiten wuerde. Die Differenzen zwischen der praktischen Ansiedlung und dem diplomatischen Ansatz fuehrten zu grossen Spannungen.
Die Zionistische Weltorganisation wurde unter dem Vorsitz von Herzl in Palaestina nicht aktiv. Die Pioniere hatten indes im Sinn, durch konstruktive Arbeit Tatsachen von Bestand zu schaffen.
Die Spannungen zwischen dem praktischen Hinwirken und den politischen Bemuehungen um die Gruendung eines juedischen Staates waren Spannungen zwischen den osteuropaeischen Kolonialisten und den Anhaengern Herzls, die hauptsaechlich aus dem deutschsprachigen Raum kamen. Sie wurden 1907 aufgehoben, als Chaim Weizmann die beiden Ansaetze in einer historischen Rede zum synthetischen Zionismus verschmolz. Weizmann befuerwortete das Gebot der Siedlungsarbeit schon zu Zeiten als Herzl noch eine Charter mit den Tuerken aushandeln wollte. Er unterstrich die Bedeutung der Pionierarbeit in der Landwirtschaft und erkannte aber auch, dass die politischen Bemuehungen unerlaesslich sind. Mit der Zeit wurden aber die Weggefaehrten Herzls verdraengt. Einer von ihnen war der in Stuttgart geborene Max Bodenheimer, der Herzl zu Verhandlungen mit dem tuerkischen Sultan in Konstantinopel und zu Verhandlungen mit dem deutschen Kaiser waehrend eines Besuches in Jerusalem begleitet hat. Bodenheimer war einer der Mit-Iniatoren und ab 07 Vorsitzender des juedischen Nationalfonds JNF-KKL. Wobei die Idee zu diesem Fonds wiederum auf Moshe Leib Lilienblum, einen fruehen Zionisten aus Litauen zurueckgeht. Hermann Zvi Shapira, ein Gruendungsmitglied der Chibat Zion in Odessa, unterbreitete dem ersten Zionistischen Weltkongress den Vorschlag, einen juedischen Fonds fuer den Landankauf in Palaestina einzurichten.

Nach Annahme der synthetischen Zionismus eroeffnete die Zionistische Weltorganisation noch 07 eine Vertretung in Palaestina , mit deren Leitung der deutsche Sozialwissenschaftler Arthur Ruppin beauftragt wurde.
Als Leiter des Palaestina-Bueros koordinierte Arthur Ruppin die Verwendung der Gelder des Juedischen Nationalfonds JNF-KKL.

Hof der Pioniere in Degania Alef

 Die Gruendung des ersten Kibbuz Degania Alef 09 wurde von Arthur Ruppin initiiert. Der Sozialwissenschaftler Ruppin engagierte sich in der Entwicklung neuer Formen des Zusammenlebens und unterstuetzte die ersten Farmen, auf denen diese neuen Formen eingeuebt wurden. Er unterstuetzte als Leiter des Palaestina-Bueros 21 die Gruendung des ersten Arbeitermoshavs Nahalal. Ruppin wirkte er massgeblich an der Umwandlung der Siedlungspraemissen hin zu Kollektiv- und Genossenschaftssiedlungen mit.
Als Vertreter eines demokratischen Zionismus setzte er sich ferner auch fuer die Gewaehrung von Krediten aus den Mitteln des JNF-KKL fuer die Gruendung der Stadt Tel Aviv ein und ist so einer der Gruendungsvaeter der ersten hebraeischen Stadt, die 09 entstand.
Mit dem ersten Weltkrieg fand die zweite Aliya ein ploetzliches Ende. Nach dem Krieg setzte die dritte Aliya ein, die in vielfacher Hinsicht an die zweite Aliya anknuepfte und erneut viele junge Zionisten aus Osteuropa ins Land brachte.
Unter dem Vorsitz von Chaim Weizmann setzte die zionistsiche Weltorganisation ab 21 ihre Prioritaeten auf die Erweiterung der Landwirtschaft im Yishuv und dem Aufbau der Kollektivsiedlungen. In den 20er und 30er Jahren fuellten sich die blauen Sammelbuechsen des JNF-KKL, und der Fonds errichtete viele Kibbuze, besiedelte die Wueste und erschloss das obere Galilaea. Ehemalige Vertraute Herzls, wie Max Bodenheimer verlassen ihre Posten. Nach der Uebersiedlung nach Jerusalem wird Ussishkin ab 22 Vorsitzender des JNF-KKL.
Unter dem Eindruck der bolschewistischen Revolution gruendeten die juedischen Pioniere den Arbeiterverband Histadruth, der die Institutionen fuer die Umsetzung ihrer eigenen sozialistisch zionistischen Vision schaffen sollte. Einer der Gruendungsvaeter war der Arbeiterfuehrer Ben Gurion, der zum ersten Vorsitzenden der Histadruth wurde. Die Histadruth war Wegbereiterin eines eigenstaendigen sozialen Sektors und schuf tatsaechlich die Infrastruktur, auf der Israel schliesslich gegruendet wurde. Die Histadruth etablierte eigene Unternehmen, engagierte sich in der Kultur, dominierte die juedischen Medien und zementierte damit die Vormacht des sozialistischen Lagers, in dem Zionismus mit Klassenkampf verschmolzen.

Entsprechend der Institutionalisierung der juedischen Kolonisation in Palaestina brachten die 20er Jahre auch einen aesthetischen Wandel. Massgeblichen Anteil daran hatten Zionisten aus dem deutschsprachigen Raum, die mit den Einwanderern der dritten Aliya ins Land kamen und deren zionistisch-sozialistische Ueberzeugungen teilten. Sie hatten das Anliegen, den Utopien in Bauformen Ausdruck zu verleihen.
Eine Reihe deutsch-juedischer Architekten, die in den 20er Jahren nach Palaestina ausgewandert sind, haben massgeblichen Anteil an der Einfuehrung einer rationalen und modernen Formensprache, die den juedisch nationalen Ausdruck in der Architektur, wie er noch von Baerwald vertreten wurde, verdraengt. Hervorzuheben ist Richard Kauffmann, fuer den die Kuppeln und Boegen, die fuer Baerwald typisch waren, keine Rolle mehr spielen. Seine zionistische Ueberzeugung drueckt Kaufmann in sachlicher Gliederung und klaren Formen aus.
Die bauliche Umsetzung des ersten Arbeitermoshav Nahal 21 war das erste Projekt von Richard Kauffmann als Siedlungsplaner. Das spektakulaere Oval auf einem Huegel war der Beginn der Siedlungsplanung in Palaestina und des Weiteren der Auftakt zu einer unvergleichlichen Karriere, in der Kauffmann hunderte Architektur-, Siedlungs- und Stadtplanungprojekte realisieren sollte.

Gebaeude von R. Kaufman in der Pinsker Str. in TA

 Kauffmann war oft Gast im Haus von Lillit P. und ihrem Mann. Der bedeutende Architekt, Siedlungs- und Stadtplaner kam 20 in Palaestina an und wurde Leiter der Zentralstelle fuer Zionistische Besiedlungsangelegenheiten am Palaestinaamt der zionistischen Weltorganisation, das von Arthur Ruppin geleitet wurde. Lillit P. und ihr Mann kamen 33 nach Palaestina, nachdem Hannan P. von einem Architekturbuero in Tel Aviv angefragt wurde.
Als ueberzeugte Zionisten waren Lillit P. und ihr Mann schon frueh mit jenen Baumeistern bekannt und befreundet, die schon in den 20er Jahren nach Palaestina gekommen waren, um die im Zionismus angestrebte neue und bessere Form des Zusammenlebens in einem neuen Baustil umzusetzen. Sie waren aus Deutschland, Oesterreich, Galizien und Osteuropa und haben in Deutschland und Wien studiert. Sie haben einen modernen Architekturstil nach Palaestina gebracht, der zum Ausdruck des Neubeginns taugte, den gerade die Pioniere der zweiten und dritten Aliya vor Augen hatten. Eine Reihe von Architekten hat am Bauhaus in Dessau studiert. Der legendaere Architekt Arieh Sharon erhielt das Diplom Nummer 6 der Architekturschule und war in seinem Schaffen sehr vom zweiten Direktor des Bauhaus, Hans Mayer, beeinflusst, in dessen Buero Sharon einige Zeit lang gearbeitet hat.

Lotte Cohn war ueberzeugte Zionistin, als sie 21 nach Palaestina einwanderte und Assistentin von Richard Kauffmann wurde und in seinem Buero an der Planung von Kibbuzen und Moshavs mitwirkte. Nachdem sie 31 als selbststaendige Architektin angefangen hat, kuemmerte sie sich ab dem Einsetzen der fuenften Aliya um die Anliegen der Fluechtlingen, deren Umstaende rationale Wohnloesungen forderten. Nachdem sie in den 20er Jahren noch die von Baerwald inspirierte Suche nach einem juedisch-nationalen Stil in ihren Arbeiten findet, wendet sie sich in den 30er Jahren der bedingungslosen Moderne zu. Sie wirkte massgeblich an der Schaffung von Mittelstandssiedlungen fuer die deutsch-juedischen Einwanderer, die ab 33 ins Land kamen.

Mit der fuenften Aliya kamen zu den Baumeistern der Pioniergeneration ca. weitere 100 Architekten nach Eretz Israel, die mit dem modernen internationalen Stil vertraut waren. Besonders in Tel Aviv sind viele ihrer architektonisch umgesetzten Vorstellungen des Neuanfangs noch erhalten. “Die weisse Stadt” besteht aus dem groessten Ensemble von Haeusern, die im internationalen Stil erbaut wurden.

Neben der Architektur sind die Spuren deutschsprachiger Juden auch in der Bildung und Forschung klar sichtbar. Albert Einstein engagierte sich als Fundraiser fuer die Hebraeische Universitaet in Jerusalem. Zur Einweihung 23 hielt er zur Einweihung der Lehranstalt einen wissenschaftlichen Vortrag. Der Gruendunsvater der Hebraeischen Universitaet, Chaim Weizmann, engagierte sich fuer die gefluechteten deutschen Wissenschaftler und bemuehte sich darum, sie in den Lehrbetrieb der Hebraeischen Universitaet zu integrieren. Der Vorschlag eine hebraeische Universitaet zu gruenden, wurde auf dem ersten Zionistischen Weltkongress von Hermann Zvi Shapira eingebracht. Unterstuetzt wurde der Bau der Universitaet, wie auch des Technions in Haifa, durch Landankauf durch den JNF-KKL.

Yehuda Z. hat an der Hebraeischen Universitaet Jura studiert und im Zuge seines Studiums Vortraege von Pinkhas Rosen gehoert. Pinkhas Rosen ist einer der Gruendungsvaeter des juedischen Staates. Als Gruender und Vorsitzender der Neuen Aliyah Partei war er einer der Unterzeichner der Unabhaengigkeitserklaerung 48.

Der in Berliner als Felix Rosenblueth geborene Rosen ist 26 nach Palaestina eingewandert und arbeitete dort zunaechst als Treuhaender der Baugenossenschaft Solel Boneh. Nach Staatsgruendung stand er den Progressiven vor, einem liberalen Parteienbuendnis, das nach der ersten Wahl mit Mapai koalierte. Rosen wurde erster Justizminister des juedischen Staates. Ueberproportional viele meiner Bewohnerinnen und Bewohner haben mir anvertraut, die Progressiven gewaehlt zu haben. Rosen gehoerte bis 68 ununterbrochen der Knesset an und wurde mehrere Male zum Justizminister ernannt. Rosen setzte sich waehrend seiner Amtszeiten als Minister fuer die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Bundesrepubik und fuer die Wiedergutmachungszahlungen ein.

Pinkhas Rosen gruendete 1932 die Vereinigung der Einwanderer aus Deutschland, aus der dann die Vereinigung der Auswanderer aus Mitteleuropa wurde. Die Vereinigung ist Traegerin des Elternheims, in dem ich arbeite. Das Heim ist nach Pinkhas Rosen benannt.

Israel – pt. 4(2)/24 || Von Berlin und Transsilvanien nach Jerusalem

Die Erde entwickelt sich noch!
Der glaenzende Himmel wird langsam blasser
ueber rauchenden Grenzen.
Tief betruebt, aber immer noch am Leben, ist ein Volk bereit
Das Wunder zu begruessen.

Vorbereitet, warten sie unter dem Mond,
Eingehuellt in furchterregende Freude, vor dem Licht.
– dann, bald,
Ein Maedchen und ein Junge treten heraus,
Und gehen langsam vor die wartende Nation;

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